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NAHOST/382: Sechster Jahrestag des türkischen Einmarsches in Afrin - Baerbock muss Rückzug der türkischen Armee fordern


Gesellschaft für bedrohte Völker - Pressemitteilung vom 19. Januar 2024

Sechster Jahrestag des türkischen Einmarsches in Afrin (20.1.):

- Außenministerin Baerbock muss Rückzug der türkischen Armee fordern
- Nachrichten über Kriegsverbrechen der Türkei in Afrin reißen nicht ab
- Christliche Gemeinde existiert nicht mehr, die letzten Armenier wurden ebenso vertrieben wie rund 350.000 Kurden


Anlässlich des sechsten Jahrestages des völkerrechtswidrigen Einmarsches der türkischen Armee in die syrisch-kurdische Region Afrin am 20. Januar 2018 stellt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Forderungen an die deutsche Bundesregierung: Sie muss die Invasion und anschließende völkerrechtswidrige Besetzung Afrins durch ihren NATO-Verbündeten Türkei öffentlich und unmissverständlich verurteilen und den Rückzug der türkischen Armee und der von der Türkei unterstützten islamistischen Söldner aus Afrin fordern. "Diese Forderung hat die GfbV persönlich an die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock gerichtet. Leider haben wir bis heute keine Antwort erhalten", berichtete der in Afrin geborene GfbV-Nahostexperte Dr. Kamal Sido heute in Göttingen.

Seit der Besetzung reißen die Nachrichten über Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen der Türkei in Afrin nicht ab. "Die christliche Gemeinde von einst 1.200 Mitgliedern existiert nicht mehr. Die letzten Armenier wurden ebenso vertrieben wie die rund 350.000 Kurden. Tausende wurden getötet oder verletzt", erinnerte Sido. "Kurdische Schulen und die einzige kurdische Universität in der Geschichte Syriens, kurdische Friedhöfe und Heiligtümer wurden und werden zerstört. Die Zahl der Kurdinnen und Kurden in Afrin schrumpft. Ihr Durchschnittsalter liegt bei über 70 Jahren. Während sie aussterben, gehen kurdische Häuser, Ländereien, Olivenhaine für immer in den Besitz der Türkei über."

Diejenigen, die aus Afrin fliehen konnten und im Norden Aleppos, auch in Zeltlagern, oder weiter im Nordosten Syriens leben, werden ebenfalls fast täglich von der Türkei und ihren islamistischen Milizen bombardiert - unter den Augen der USA und Russlands. Beide Länder haben Truppen in der Region und kontrollieren den Luftraum. "Die deutsche Bundesregierung schweigt zu diesen Angriffen der Türkei oder stellt sich auf die Seite des Aggressors. Die NATO opfert die kurdische Bevölkerung in der Türkei und ihren Nachbarländern, insbesondere in Syrien. Das soll Erdogan zufrieden stellen, doch stattdessen diskreditiert dieser das gesamte transatlantische Bündnis", so Sido. "Viele Kurden und Angehörige anderer Volksgruppen werfen der NATO zu Recht Doppelmoral vor. Vor diesem Hintergrund sollte die Bundesregierung versuchen, zwischen den Kurden und der Türkei zu vermitteln. Denn niemand im Nahen Osten braucht noch mehr Gewalt. Die Menschen sehnen sich nach Ruhe und Frieden."

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Quelle:
Pressemitteilung vom 19. Januar 2024
Herausgeber: Gesellschaft für bedrohte Völker e. V.
Postfach 20 24, D-37010 Göttingen
Telefon: +49 551 499 06-21, Fax: +49 551 580 28
E-Mail: presse@gfbv.de
Internet: www.gfbv.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 19. Januar 2024

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