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AUSSTELLUNG/9613: Marburg - Transparenz und Blickdichte, Ausstellungseröffnung 14.12.2018


Pressemitteilung von: Marburger Kunstverein

Transparenz und Blickdichte Friederike Walter (Malerei) / Jochen Mura (Installation)

Ausstellungseröffnung
Freitag, 14. Dezember 2018 um 18 Uhr im Marburger Kunstverein
Zur Einführung spricht der Berliner Galerist Stefan Rasche


Friederike Walter, 1975 geboren im südhessischen Darmstadt, hat von 1998 bis 2004 bei Professor Heiner Blum "Visuelle Kommunikation" an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert; zwischenzeitlich absolvierte sie zwei Gastsemester bei Professor Jan Dibbets an der Kunstakademie Düsseldorf. Nach ihrem Diplom-Abschluss ging sie 2005 / 2006 für ein Aufbaustudium bei Professor Eva Schlegel an die Akademie der Bildenden Künste nach Wien. 2007 erhielt sie das Moldau-Stipendium des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst in Cesky Krumlov (Tschechien), 2012 war Friederike Walter "Artist in Residence" im Rahmen eines Stipendiums der Stadt Frankfurt in Budapest, 2015 im Schloss Szentandras in Ungarn.

Nach eigener Aussage dreht sich bei ihr alles um Licht, Farbe und Raum. Mal stehe die eine Komponente im Vordergrund, mal die andere. Die Faszination für diese Themen existiert schon lange: In einem Radio- Interview erzählt sie davon, wie sie in ihrer Jugend Räumlichkeiten in Skizzenbücher gemalt hat, wo man von einer der Doppelseiten auf die andere gehen konnte, nachdem sie diese beschnitten hatte. Mittlerweile beschäftigt sich Friederike Walter in ihrer Malerei mit einer feinfühligen Sicht auf sich immer mehr auflösende Raumwelten und geheimnisvollen Lichtstimmungen. Sie regt beim Betrachten ihrer Bilder die Fantasie dergestalt an, dass man diese Räume durchschreiten möchte, auch wenn man sie nur erahnt. Nach Marburg bringt Friederike Walter Bilder in unterschiedlichen Formaten von 40 x 40 Zentimetern bis hin zu 2,80 x 1,80 Metern mit - Bilder, die den Betrachter nicht anschreien, wie sie selbst sagt, sondern subtil wirken, wenn man sich auf sie einlässt.

Die Kunsthistorikerin Nina Mößle schrieb dazu: "Zwischen dem, was wir sehen und dem, was wir wahrnehmen, liegt die Essenz von Friederike Walters Kunst. Ihre Gemälde beschreiben auf reduzierte Weise Raum und Licht. In ihrer Beschaffenheit geben sie ein gleichermaßen irritierendes wie stimulierendes Rätsel auf, weil sie subtil zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion der Raumwahrnehmung changieren. Der Raumeindruck bleibt stets vage und versetzt den Betrachter in einen spannungsreichen Schwebezustand. Flächen und Konturen bilden zwischen Schärfe und Unschärfe feine Kontraste aus. Schräg gesetzte Ausschnitte und ungewöhnliche Perspektiven versetzen die Raumgefüge in Bewegung. Licht- und Schattenwürfe verleihen den Gemälden den flüchtigen Charakter einer Momentaufnahme. Sie lassen uns innehalten."

Jochen Mura, geboren 1968 in Aachen, wo er auch heute noch lebt und arbeitet, setzt sich in seiner Arbeit ebenfalls mit dem Raum auseinander. Seine Werkschau aus Objektensembles und Wandarbeiten zeigt vor allem eines: Der Raum ist nicht einfach "da", ist nicht schlechterdings "vorhanden". Denn auch wenn die Alltagswahrnehmung dies unbeirrt als die eigentliche Erfahrung nehmen will: Der Raum ist keine Gegebenheit. Er muss sich allererst eröffnen, ist insofern immer ein Möglichkeitsraum, der erschlossen werden will oder uns verschlossen bleibt - was mitnichten einen Gegensatz darstellt.

Jochen Mura inszeniert das Sprachspiel, das der Raum für seinen Betrachter immer auch bedeutet, als doppelbödige Anspielung. Was als kühl berechnete oder verspielt angedeutete ästhetische Sinnstiftung vor unseren Augen Gestalt anzunehmen und als solche greif- und also begreifbar zu werden scheint, verweigert gleichzeitig den vermeintlich eingeräumten Zugang. Dadurch wirkt die Ordnung der Dinge, die Mura etwa durch Zitate vor allem der modernistisch-architektonischen Formensprache aufruft, irritierend und enttäuschend.

Mura thematisiert so das Andere der permanenten räumlichen Präsenz: eben die Leere, den Mangel als das, was der Raum mutmaßlich umschließt, was er verbirgt, worauf er verweist, auf die Leerstelle, die ihm möglicherweise innewohnt. In anderen Arbeiten Muras scheint der Raum wie zurückgedrängt, ins Ornamentale verflüchtigt, ein selbstgenügsames Spiel der Formen. Wie bei den "Blackouts", eine Reihe großformatiger Vorhänge, die Jochen Mura mit verschiedenen Fassadenentwürfen versieht und teilweise perforiert.

Der Vorhang, der eigentlich der Dosierung von Licht sowie der Abwehr fremder Blicke an der Schwelle von privater und öffentlicher Sphäre gilt, wird somit zu einem mehrdeutigen, durchlässigen Bildmedium im Raum. Aber auch hier wie in der eigens für die Marburger Ausstellung entworfenen und vor Ort fertiggestellten Wandarbeit "Absorber", die den Rapport eines einzigen Bildes zu einem sich gleichzeitig verschließenden wie öffnenden Mauermotivs verdichtet, wird deutlich, dass Jochen Mura uns die Räume und die sie bevölkernden Dinge niemals eindeutig vorführt, sondern stets als komplexe Vexiere der Wahrnehmung.

Wie immer gibt es jeden Samstag um 16 Uhr kostenlose Führungen zur Ausstellung mit Friederike Hagel. Die KunstWerkStatt Marburg bietet auf Anfrage spezielle Führungen für Kinder an. Zum "Zeichnen am Abend" wird es am Montag, den 17. Dezember und am Donnerstag, den 17. Januar 2019 Gelegenheit geben, jeweils ab 18 Uhr.

Führungen im Marburger Kunstverein

Jeden Samstag um 16:00 Uhr wird eine Führung durch die aktuelle Ausstellung angeboten. -Der Eintritt dazu ist frei.

Führungen für Schulklassen und Gruppen können nach telefonischer Anmeldung unter Tel. 0642-25882 auch außerhalb der Öffnungszeiten vereinbart werden.

Marburger Kunstverein
Gerhard-Jahn-Platz 5, 35037 Marburg
Telefon 06421 - 25882
Fax 06421 - 917968
www.marburger-kunstverein.de
info@marburger-kunstverein.de
Öffnungszeiten: Di - So 11- 17 Uhr, Mi 11 - 20 Uhr

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Quelle:
bpar - Beisel Public Art Relations
Eine Initiative der Healthcom GmbH
Agrippinawerft 22, 50678 Köln
Telefon: 0221 / 222 83 - 181, Fax: 0221 / 222 83 - 322
E-Mail: info@bpar.de
Internet: www.bpar.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 7. Dezember 2018

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