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IMI/1144: Nordischer Brückenkopf - NATO-Mitgliedschaften und US-Militärpräsenz in Skandinavien


IMI - Informationsstelle Militarisierung e.V.
IMI-Analyse 2024/03 vom 17. Januar 2024

Nordischer Brückenkopf
NATO-Mitgliedschaften und US-Militärpräsenz in Skandinavien

von Ben Müller


Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine haben Finnland und Schweden die Mitgliedschaft in der NATO beantragt, um ihre langjährige Annäherung an das Militärbündnis auch formal zu einem Abschluss zu führen. Aus dem NATO-Lager war daraufhin Häme und Jubel zu vernehmen. US-Präsident Biden freute sich, dass Putin statt der "Finnlandisierung" Europas die "Natoisierung" Finnlands erreicht habe, und dass die NATO mit Finnland und Schweden stärker als jemals zuvor sein werde.[1] Und der niederländische NATO-Admiral Rob Bauer betonte, die NATO müsse nun zwar zusätzliches Territorium und eine lange Grenze zu Russland verteidigen, erhalte dafür aber die sehr fähigen Streitkräfte von Finnland und Schweden. Russland dagegen habe jetzt eine längere Grenze zur NATO ohne zusätzliche Truppen.[2] Doch nicht nur in Finnland und Schweden, auch in Dänemark und Norwegen dreht sich der Wind, was Militärkooperationen betrifft.

Selbstauferlegte Zurückhaltung

Die Art, wie sich Finnland und Schweden der NATO annähern, unterscheidet sich deutlich von den Bedingungen, die die Gründungsmitglieder Norwegen und Dänemark 1949 für ihren Beitritt zu dem Militärbündnis gestellt haben. Damals war Norwegen der einzige NATO-Staat mit einer direkten Grenze zur Sowjetunion. Norwegen war es daher wichtig, nicht nur Abschreckung, sondern auch Zurückhaltung und vertrauensbildende Maßnahmen einzusetzen, um seinen Nachbarn nicht zu provozieren. Sowohl Norwegen als auch Dänemark verpflichteten sich zu einer Reihe von Einschränkungen, an die ihre NATO-Mitgliedschaft in Friedenszeiten gebunden sein sollte.

Zu diesen selbstauferlegten Einschränkungen gehört bis heute die Absage an fremde Militärbasen auf dänischem und norwegischem Territorium; nur die Thule Air Base der USA in Grönland wurde akzeptiert. Außerdem sollen in Dänemark und Norwegen keine alliierten Truppen dauerhaft stationiert und keine Atomwaffen oder chemischen Waffen gelagert werden. Norwegen hat darüber hinaus strenge Regeln für Militärmanöver in Grenznähe formuliert und seinen Luftraum sowie seine Hoheitsgewässer östlich des 24. Längengrads für alliierte Flugzeuge und Schiffe gesperrt. Dänemark hat seine Ostsee-Insel Bornholm demilitarisiert und auf die Teilnahme an bestimmten NATO-Manövern östlich des 17. Längengrads verzichtet.[3]

Finnland dagegen öffnet seinen Luftraum bereitwillig für Spionageflugzeuge befreundeter Staaten. Im März 2023 flog die erste RC-135 Rivet Joint der US-Luftwaffe entlang der finnisch-russischen Grenze, um Informationen zu sammeln.[4] Im August 2023 wurde der erste Spionageflug einer schwedischen Maschine beobachtet.[5] Und im September 2023 folgte eine Überwachungsdrohne im Auftrag der NATO. Die in Sigonella (Italien) stationierten NATO-Drohnen vom Typ RQ-4D können 30 Stunden in der Luft bleiben und Informationen bis zu 500 km hinter der russischen Grenze sammeln. Der Einsatz in Finnland erfolgte laut Pressemitteilung, um die Piloten an das neue Gebiet zu gewöhnen.[6]

Die damalige finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin erklärte 2022, sie schließe weder NATO-Basen noch Atomwaffen auf finnischem Territorium aus. Sie widersprach dafür sogar ausdrücklich einer anders lautenden Reuters-Meldung.[7] Laut einer aktuellen Umfrage unterstützen aber nur 38% der finnischen Bevölkerung den Transport von Atomwaffen durch ihr Land und nur ca. 20% würden auch die dauerhafte Stationierung akzeptieren.[8] Schweden zeigte sich bei seiner Bewerbung um die NATO-Mitgliedschaft mit allen Bedingungen einverstanden und akzeptierte auch die "wesentliche Rolle von Atomwaffen" für die NATO-Verteidigung.[9] Aus der aktuellen konservativen Regierung gibt es aber vorsichtige Äußerungen des Außen- und des Verteidigungsministers, die nach dem norwegischen und dänischen Beispiel wenigstens Atomwaffen oder Atomwaffen und permanente Militärbasen auf schwedischem Boden verhindern möchten.[10] Ob es sich dabei um ernsthafte Absichten handelt oder nur um Rhetorik wird sich zeigen.

Zeitenwende in Norwegen und Dänemark

Schon zur Zeit des Kalten Kriegs haben Norwegen und Dänemark ihre selbstauferlegten Einschränkungen gelegentlich ignoriert oder flexibel ausgelegt. So haben beide Länder in geheimen Abkommen mit den USA, die Benutzung von Flughäfen durch die US-Luftwaffe im Rahmen des Programms "Collocated Operational Bases" gestattet. Norwegen hat außerdem den US-Marines erlaubt, in der Nähe von Trondheim unterirdische Depots für Munition, gepanzerte Fahrzeuge und allerhand Militärausrüstung einzurichten. Diese Depots werden bis heute weiterbetrieben als Teil des "Marine Corps Prepositioning Program".[11]

In den letzten Jahren hat Norwegen seine Einschränkungen immer weiter aufgeweicht. US-Bomber benutzen norwegische Flughäfen, Atom-U-Boote legen Zwischenstopps in norwegischen Häfen ein, bis zu 700 US-Marines waren zeitweise in Norwegen stationiert und Militärübungen werden immer größer und unberechenbarer.[12] Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wird in Norwegen auch offen darüber debattiert, ob die selbstauferlegten Einschränkungen noch zeitgemäß sind. Der ehemalige Militärchef Rune Jakobsen spricht sich für ihre Abschaffung aus, um stärkere Signale an Russland zu senden.[13] Der Direktor des Fritjof Nansen Instituts Iver B. Neumann befürwortet eine US-Basis in Norwegen, um die Unterstützung der USA nicht zu verlieren.[14] Und Karsten Friis vom Norwegischen Institut für internationale Angelegenheiten möchte in Norwegen Raum für eine NATO-Basis schaffen.[15]

Der Krieg in der Ukraine hat sich auch auf die Haltung Dänemarks ausgewirkt. In einer Volksabstimmung wurde am 1. Juni 2022 der dänische Vorbehalt gegen die Gemeinsame Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik abgeschafft. Damit kann sich Dänemark demnächst an europäischen Militärprojekten beteiligen. Außerdem führte Dänemark zusammen mit den USA im Rahmen von "Defender Europe 2022" eine gemeinsame Militärübung auf Bornholm durch, was von Russland heftig kritisiert wurde.[16] Dänemark hat beschlossen, einen Feiertag abzuschaffen, um mehr Geld für den Militäretat zu erwirtschaften.[17] Und Dänemark verhandelt zurzeit ein bilaterales Militärabkommen mit den USA, das wahrscheinlich die Präsenz von US-Soldaten auf dänischem Boden ermöglichen wird.[18] Vermutlich wird dieses Abkommen so ähnlich aussehen, wie entsprechende Abkommen, die die USA bereits mit Norwegen, Schweden und Finnland abgeschlossen haben.[19]

Bilaterale Militärabkommen mit den USA

Das bilaterale Militärabkommen zwischen den USA und Norwegen[20] wurde am 16. April 2021 unterzeichnet und 2022 vom norwegischen Parlament gebilligt. Die Abkommen mit Schweden[21] und Finnland[22] wurden am 6. Dezember 2023 und am 18. Dezember 2023 unterzeichnet. Alle drei Abkommen sind als Ergänzung zum NATO-Truppenstatut von 1951 gedacht. Sie bestehen aus 30 Artikeln mit einem Anhang und regeln unter anderem Ein- und Ausreisemodalitäten für Angehörige der US-Streitkräfte, Befreiungen von Steuer- und Zollpflichten, Anerkennung von US-Fahrerlaubnissen und Zuständigkeiten bei der Strafverfolgung gegen US-Militärs im Gastland. Die Abkommen haben eine Mindestlaufzeit von zehn Jahren und können danach mit einer Frist von einem Jahr gekündigt werden.

Die Abkommen enthalten aber auch eine Liste von "vereinbarten Einrichtungen und Gebieten", die den US-Streitkräften ohne Mietkosten zur Verfügung gestellt werden. Zu diesen im Anhang aufgelisteten Gebieten erhalten die USA ungehinderten Zugang für Besuche, Trainings, Übungen, Manöver, Transits, Unterstützung und ähnliche Aktivitäten. Sie können dort Flugzeuge landen und auftanken, Schiffe bevorraten und zeitweise Wartung an Fahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen vornehmen. Auch die Unterbringung von Personal, Kommunikation, Stationierung von Truppen und Material sowie das Vorab-Postieren von Ausrüstung, Nachschub und Militärmaterial sind möglich. Ferner werden gemeinsame Aktivitäten wie Militärtrainings mit dem Gastland oder Katastrophenschutzübungen genannt.

Innerhalb der vereinbarten Gebiete sollen Bereiche möglich sein, zu denen ausschließlich US-Kräfte Zugang haben. Zu diesen Bereichen zählen zum Beispiel die Lagerstätten für vorab-postiertes Material. Über Art und Menge des dort gelagerten Materials soll das Gastland jeweils vor der Einbringung informiert werden. In Abstimmung mit dem Gastland dürfen in den vereinbarten Gebieten auch Bauten errichtet und Verbesserungen vorgenommen werden. Die Bau- und Betriebskosten für exklusiv genutzte Bereiche tragen die USA, für gemeinsam genutzte Bereiche werden sie anteilig aufgeteilt. Bauwerke und nicht-bewegliche Konstruktionen gehen später in das Eigentum des Gastlands über.

"Vereinbarte Gebiete"

Das Abkommen zwischen den USA und Norwegen enthält vier vereinbarte Gebiete, zu denen die US-Streitkräfte Zugang erhalten: im Süden des Landes die Militärflughäfen Sola und Rygge und im Norden den Militärflughafen Evenes und die Marinebasis Ramsund. Für die Depots der US-Marines bei Trondheim gibt es ein eigenes bilaterales Abkommen, sodass sie hier nicht erwähnt werden. Am Flughafen Rygge wollen die USA vier Hangars für Kampfflugzeuge bauen sowie Fundamente für Verlegungen, größere Munitionsspeicher, ein Lagerhaus und einen Sicherheitszaun mit Patrouillenweg. Mit Ausnahme des Lagerhauses, das ausschließlich von den USA genutzt werden soll, sind die Einrichtungen für norwegische und US-amerikanische Nutzung gedacht.[23]

Im Abkommen zwischen den USA und Schweden sind 17 vereinbarte Gebiete ausgewiesen, darunter fünf Flughäfen (Luleå, Ronneby, Såtenäs, Uppsala und Vidsel), ein Hafen (Härnösand) sowie mehrere Regimentsflächen, Militärcamps und Übungsgelände. Die Flächen verteilen sich über das gesamte Festland und die Insel Gotland. Das Abkommen mit Finnland zählt 15 vereinbarte Gebiete auf: vier Luftwaffenbasen (Kuopio-Rissala, Rovaniemi, Tampere-Pirkkala und Jyväskylä-Tikkakoski), eine Marinebasis (Upinniemi), eine Basis der Grenzwache (Ivalo), verschiedene Garnisonen, militärische Lagerflächen, Übungsgelände und den Zugang zur Insel Russarö.

Das Abkommen zwischen den USA und Norwegen betont an mehreren Stellen, dass die norwegischen Einschränkungen bezüglich der Stationierung von fremden Truppen oder Atomwaffen hierdurch nicht verändert würden. Außerdem enthält es Ausnahmen für das Svalbard-Archipel und die Inseln Jan Mayen und Bouvetøya. Im Abkommen zwischen den USA und Finnland wird nur der besondere Status der Åland-Inseln festgehalten. Atomwaffen werden weder im finnischen noch im schwedischen Abkommen erwähnt.

Dennoch geht der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson davon aus, dass die USA keine Atomwaffen nach Schweden bringen werden: "Die schwedische Position ist allgemein bekannt. Wir sehen keine Notwendigkeit und keinen Grund, Atomwaffen auf unserem Territorium zu haben, und die USA haben gesagt, dass sie das respektieren."[24] In den 1950er und 1960er Jahren hatten die USA allerdings regelmäßig Atomwaffen durch den dänischen Luftraum über Grönland transportiert und auch auf der Thule Air Base gelagert, obwohl das im Widerspruch zur Position Dänemarks stand.[25]

Einschätzungen der norwegischen Chef-Ankläger

In Norwegen haben Vertreter*innen der obersten militärischen und zivilen Strafverfolgungsbehörden die juristischen Auswirkungen des bilateralen Militärabkommens analysiert und mehrere Kritikpunkte formuliert.[26] So betone das Abkommen zwar, die norwegische Souveränität zu respektieren und in Einklang mit norwegischem Recht zu stehen. Wenn aber unterschiedliche Auffassungen über die Anwendbarkeit dieses Rechts gegeneinander stünden, sei es wahrscheinlich nicht möglich, die norwegische Auffassung durchzusetzen. Im Extremfall könne sogar jedes Mitglied der US-Truppe gegenüber norwegischen Zivilpersonen Autorität ausüben, nicht nur innerhalb der vereinbarten Gebiete, sondern unter besonderen Umständen auch darüber hinaus, wenn das für die Sicherheit von US-Operationen notwendig sei. Auf See könne es dann z.B. passieren, dass normaler Schiffsverkehr in von den US-Kräften definierte Sicherheitszonen gerate.

Weiterhin gebe das Abkommen zwar vor, dass die USA ihre Sicherheitspläne mit norwegischen Behörden abstimmen sollen, es sei aber nicht genau festgelegt, mit welchen Behörden. Durch unterschiedliche Wahrnehmungen von Gefahren und Bedrohungen könne es eventuell zu Maßnahmen durch US-Kräfte kommen, die als unverhältnismäßig zu bewerten seien. Als fiktives Beispiel wird Schusswaffengebrauch durch US-Militärs zur Verteidigung von bestimmten Sicherheitszonen angeführt.

Die Stellungnahme der norwegischen Anklagebehörden kritisiert auch, dass in erster Linie die USA für die Verfolgung von Straftaten durch Mitglieder der US-Truppe zuständig seien. Da dieses Privileg auch für Straftaten gelte, die außerhalb des Dienstes verübt werden, könne das norwegische Rechtsempfinden erheblich gestört werden. Das gelte etwa, wenn norwegische Bürger*innen aufgrund von schweren Straftaten, die Mitglieder der US-Truppe in ihrer Freizeit begangen haben, zu Schaden kommen, z.B. Körperverletzung oder Vergewaltigung. Eine Strafverfolgung nur durch die USA wäre in solchen Fällen schwer hinnehmbar.

Transportwege an die Front

Im Gegensatz zur NATO-Ostflanke, wo Battlegroups in Bataillons- oder Brigadestärke im Rahmen der Vorwärtspräsenz in Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien stationiert sind, hat die NATO für Finnland oder Norwegen bisher keine Stationierung von Battlegroups angekündigt. Stattdessen setzt das Bündnis darauf, dass die nationalen Armeen einem Einmarsch an der Nordflanke so lange standhalten können, bis Verstärkung eingetroffen ist. Die US-Marines haben zu diesem Zweck ihre Depots bei Trondheim angelegt. In sechs in den Berg getriebenen Stollen lagert so viel Material, dass eine schnell eingeflogene Vorhut von 4.600 Soldat*innen damit über mehrere Wochen kämpfen kann.[27] Während dieser Zeit könnte dann weiterer Nachschub herbeigeschafft werden.

Um Verstärkung aufnehmen zu können, haben die Militärchefs von Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnland die bedeutende Rolle von vier Atlantik-Häfen herausgestellt. Neben dem dänischen Hafen Esbjerg und dem schwedischen Göteborg zählen dazu der norwegische Hafen Narvik und die Fjordregion bei Trondheim.[28] Bei Trondheim lagert nicht nur das vorab-postierte Material der US-Marines, hier startet auch eine Eisenbahnverbindung ins schwedische Östersund mit Abzweigungen in verschiedene Richtungen, so dass ankommendes Material schnell weitertransportiert werden kann. Auch Narvik ist Endstation einer wichtigen Eisenbahnlinie nach Schweden. Sie führt über Kiruna nach Luleå, wo eine Anschlussstrecke über das finnische Rovaniemi bis nach Kemijärvi führt, knapp 100 km vor der russischen Grenze.

Finnland hat die strategische Bedeutung dieser nördlichen Eisenbahnverbindung bereits erkannt und mit der Erneuerung der Strecke begonnen.[29] Das schwedische Eisenbahnnetz ist dagegen in einem maroden Zustand. Insbesondere auf der nördlichen Strecke, die regelmäßig für Eisenerz-Transporte aus Kiruna in die Häfen Narvik und Luleå genutzt wird, kommt es immer wieder zu Zugentgleisungen und Streckensperrungen. Die schwedische Frachtbranche hofft, dass der NATO-Beitritt ihres Landes zu Investitionen in die Bahn-Infrastruktur führen wird. Allerdings beschränken sich die militärischen Prioritäten auf Ost-West-Verbindungen, um Nachschub von Norwegen nach Schweden zu transportieren.[30]

"Nordic Response 2024"

Auch der Transport von Verstärkung über den Atlantik zu den skandinavischen Häfen muss aus Sicht der NATO sichergestellt werden. Die Meerespassagen zwischen Grönland, Island und Großbritannien ("GIUK-Lücke") erfüllen hier eine Doppelfunktion. Einerseits sollen russische Schiffe und U-Boote daran gehindert werden, diese Passagen zu durchqueren und in die Weiten des Atlantiks einzudringen, und andererseits sollen am Meeresgrund verlaufende Kommunikationsleitungen geschützt werden ebenso wie Transporte zwischen den USA und Europa. Mit dem Manöver "Dynamic Mongoose" übt die NATO dort deshalb jedes Jahr den Kampf gegen feindliche U-Boote.

Auch die Verstärkung der NATO-Nordflanke wird regelmäßig geübt. 2018 fand dazu das Großmanöver "Trident Juncture" statt, und seitdem wird das alle zwei Jahre stattfindende Manöver "Cold Response", das von Norwegen organisiert wird, für diesen Zweck genutzt. Ab 2024 wird dieses Manöver in "Nordic Response" umbenannt. Diese Umbenennung soll deutlich machen, dass es um alle nordischen Staaten (Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island) geht und dass das Übungsgelände auf die ganze nordische Region von der Arktis bis zur Ostsee ausgedehnt werden kann.[31] Auch die deutsche Gebirgsjägerbrigade 23 wird an Nordic Response 2024 teilnehmen. Der Verband, der regelmäßig unter arktischen Bedingungen trainiert, verbindet den Aufenthalt in Norwegen mit der Übung "Grand North", die Teil des Bundeswehr-Großmanövers "Quadriga 2024" ist.[32]

"Nordic Response" soll vom 3. bis 14. März 2024 stattfinden. Es werden mehr als 20.000 Soldat*innen mit über 50 Schiffen und über 110 Flugzeugen erwartet.[33] Angesichts der eingangs erwähnten Zitate von Joe Biden und Rob Bauer können dann schon Zweifel aufkommen, ob es dabei wirklich nur um Verteidigung geht. In jedem Fall dürfte der martialische Aufmarsch wenig zur Deeskalation der ohnehin schon explosiven Lage beitragen.


Anmerkungen

[1] Biden: Putin got the 'Natoisation' of Finland, yle.fi, 30.6.2022

[2] Finland and Sweden joining NATO adds new border with Russia - but also extra troops, says admiral, arctictoday.com, 19.9.2022

[3] Richard A. Bitzinger: Denmark, Norway and NATO: Constraints and Challenges, rand.org, November 1989

[4] Finland begins international cooperation on domestic airspace surveillance, yle.fi, 23.3.2023

[5] Thomas Nilsen: Sweden flies first time intelligence mission close to Kola Peninsula, thebarentsobserver.com, 2.8.2023

[6] Thomas Nilsen: NATO drone on first time mission over Finland, thebarentsobserver.com, 14.9.2023

[7] PM does not rule out nuclear weapons or permanent Nato bases in Finland, yle.fi, 29.10.2022; PM: Reuters misrepresented Nato comments, yle.fi, 19.5.2022

[8] Poll: Backing for Nato remains high in Finland, yle.fi, 21.12.2023

[9] Sweden accepts 'essential role of nuclear weapons' in Nato letter, thelocal.se, 12.7.2022

[10] Sweden to spurn nuclear weapons as NATO member, foreign minister says, reuters.com, 11.11.2022; Bruno Waterfield: Sweden won't host nuclear weapons bases after joining Nato, thetimes.co.uk, 12.1.2023

[11] Patrick Cullen, Ole Martin Stormoen: US-Norway Bilateral Defense Agreements: a partnership that strengthens NATO, nupi.no, 28.2.2020

[12] Ben Müller: Norwegens kalte Antwort, IMI-Studie 2/2022, imi-online.de, 7.3.2022

[13] Thomas Nilsen: "High time to scrap self-imposed restrictions," says former Norwegian Commander. This week's flight map shows why, thebarentsobserver.com, 23.8.2023

[14] Astri Edvardsen: "Norway Must Sweeten the Deal to Keep the US' Interest," Says FNI Director, highnorthnews.com, 24.3.2023

[15] Trine Jonassen: Believes Norway's Cautiousness Toward Russia to Be Outdated, highnorthnews.com, 21.8.2023

[16] Thomas Zelt: Ukraine-Krieg: Dänemark strebt aktivere Rolle an Seite von USA und Nato an, telepolis.de, 31.8.2022

[17] Dänemark: Feiertag, IMI-Aktuell 2023/144, imi-online.de, 2.3.2023

[18] Thomas Zelt, a.a.O.

[19] Ähnliche Abkommen haben die USA auch mit vielen Staaten im ehemaligen Ostblock abgeschlossen, u.a. Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Ungarn und Bulgarien. Vgl. Martin Kirsch: Aufrüstung der Slowakei, IMI-Analyse 2022/09, imi-online.de, 18.3.2022

[20] Supplementary defense cooperation agreement between the government of the Kingdom of Norway and the government of the United States of America, regjeringen.no

[21] Agreement on defense cooperation between the government of the Kingdom of Sweden and the government of the United States of America, regeringen.se

[22] Agreement on defense cooperation between the government of the Republic of Finland and the government of the United States of America, defmin.fi

[23] American Investments in Infrastructure at Rygge Air Station are Important for Norway's Defense Capability, defense-aerospace.com, 6.3.2023

[24] Astri Edvardsen: Sweden and the US Signs Defense Cooperation Agreement, highnorthnews.com, 8.12.2023

[25] Hans M. Kristensen: U.S. Nuclear Weapons Deployments Disclosed, Nuclear Policy, nautilus.org, 20.10.1999

[26] Astri Edvardsen: New Norway - USA Defense Agreement Allows Extensive US Authority in the North, highnorthnews.com, 8.6.2022

[27] Martin Egnash: A cave in cold Hell has everything a Marine brigade needs to fight, stripes.com, 6.2.2018

[28] Hilde-Gunn Bye: Nordic Chiefs of Defence Stress Narvik as a Central Port in the North, highnorthnews.com, 27.10.2022

[29] Anne Kauranen, Johan Ahlander: In NATO's new north, fresh chances to contain Moscow, arctictoday.com, 3.7.2023

[30] Industry hoping Nato membership will boost freight transport, sverigesradio.se, 13.12.2023

[31] Astri Edvardsen: Nordic Countries to Further Strengthen Defence and Security Cooperation, highnorthnews.com, 16.8.2022

[32] Heer und NATO-Partner starten 2024 ein Großmanöver, bundeswehr.de, 23.11.2023

[33] Nordic Response 2024, forsvaret.no, 7.12.2023


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Quelle:
IMI-Analyse 2024/03 vom 17. Januar 2024
Nordischer Brückenkopf
NATO-Mitgliedschaften und US-Militärpräsenz in Skandinavien
https://www.imi-online.de/2024/01/17/nordischer-brueckenkopf/
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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 30. Januar 2024

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