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FEATURE/1155: WDR 3 - Solschenizyns Rückkehr nach Russland, 8.12.2018 (WDR)


Westdeutscher Rundfunk Köln (WDR) - Programmtip

Volksfeind und Heiliger
Solschenizyns Rückkehr nach Russland

Von Mario Bandi
Aufnahme DLF/WDR 2018
WDR 3 Kulturfeature
Samstag, 8. Dezember 2018, 12.04-13.00 Uhr, WDR 3
Wiederholung: So 15.04 Uhr


Rotarmist und Philosoph, Gulag-Häftling, Überlebender, Mahner und Literaturnobelpreisträger, Exilierter, Rückkehrer, Gläubiger und Nationalist - Stationen auf dem Lebensweg des vor 100 Jahren geborenen Alexander Issajewitsch Solschenizyn. Ein Jahrzehnt nach seinem Tod streiten die Russen über sein Vermächtnis.

Perm im Ural: Die Region war eines der größten Gebiete im Archipel Gulag. Die Alten hier erinnern sich deutlich an die Zeit des Großen Terrors. Sie sind Überlebende der Arbeitslager oder Kinder der Überlebenden. Von ihren Geschichten will das offizielle Russland nichts mehr wissen. Allein Aktivisten der regierungskritischen Organisation "Memorial" hören ihnen noch zu.

In diesem Jahr steht die "Memorial"-Expedition im Zeichen des 100. Geburtstages von Alexander Solschenyzin. Aus seinen Büchern weiß die Welt von Menschlichkeit und Niedertracht im System der stalinistischen Straflager. Erst nach der Perestroika wurde "Archipel Gulag" auch in der Sowjetunion veröffentlicht, jetzt droht sein Hauptwerk aus dem Literaturkanon der Schulen zu verschwinden. Und so kämpft "Memorial" auch gegen das Vergessen von Solschenyzins Literatur - nicht unbedingt für Solschenyzin. Denn der Nobelpreisträger, der 1994 aus dem Exil nach Russland zurückkehrte und 2008 starb, ist in seinen letzten Lebensjahren Wladimir Putin sehr nahegekommen. Er verurteilte Gorbatschow, verteufelte alles Westliche und pries die orthodoxe Kirche. Am Ende war er zum Propheten einer großrussischen Idee mutiert, vom Marxisten zum orthodoxen Christen mit Heiligenstatus.

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Quelle:
Programmtip vom 3. Dezember 2018
Herausgeber:
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veröffentlicht im Schattenblick zum 7. Dezember 2018

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