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AUSLAND/2667: Sudan - Mangelernährung und hohe Sterblichkeit ... Geflüchtete leben unter katastrophalen Bedingungen (Ärzte ohne Grenzen)


Ärzte ohne Grenzen - 5. Februar 2024

Sudan: Geflüchtete leben unter katastrophalen Bedingungen - Besorgniserregende Mangelernährungs- und Sterblichkeitsraten


Khartum/Berlin, 5. Februar 2024. Angesichts der katastrophalen Lage im Geflüchtetenlager Samsam in Nord-Darfur fordert Ärzte ohne Grenzen eine sofortige Ausweitung der humanitären Hilfe für die Menschen. Die Notfallschwelle für Mangelernährung ist erreicht, die Sterblichkeitsrate sehr hoch, wie eine Erhebung von Ärzte ohne Grenzen ergab. Die Menschen brauchen Nahrungsmittel, medizinische Versorgung, Wasser, sanitäre Einrichtungen und Bargeld.

Bei fast einem Viertel der untersuchten Kinder wurde eine akute Mangelernährung festgestellt, wobei sieben Prozent von schwerer Mangelernährung betroffen waren. Bei den Kindern im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren waren die Zahlen sogar noch höher: fast 40 Prozent dieser Altersgruppe waren mangelernährt, 15 Prozent davon schwer. Der Schwellenwert für mäßige und schwere Mangelernährung (Global Acute Malnutrition Rate - GAM), der anzeigt, dass dringende Maßnahmen ergriffen werden müssen, liegt bei 15 Prozent. Auch bei 40 Prozent der schwangeren und stillenden Frauen wurde Mangelernährung festgestellt. Die Zahl der Todesfälle in dem Lager ist ebenfalls äußerst besorgniserregend: Die Sterblichkeitsrate liegt bei 2,5 pro 10.000 Menschen pro Tag und damit mehr als doppelt so hoch wie die Notfallschwelle.

"Was wir im Lager Samsam sehen, ist eine absolut katastrophale Situation."
(Claire Nicolet, Leiterin der Nothilfe von Ärzte ohne Grenzen im Sudan.")  

"Wir schätzen, dass in dem Lager alle zwei Stunden mindestens ein Kind stirbt; pro Tag sind es nach unseren aktuellen Schätzungen 13 Kinder pro Tag."

Ärzte ohne Grenzen ist der einzige aktive Gesundheitsdienstleister im Lager Samsam - einem der größten und ältesten Lager für Binnenvertriebene im gesamten Sudan. Die kleine Klinik ist mit der hohen Zahl der Patient*innen und der Schwere ihres klinischen Zustands überfordert. Die Menschen kommen mit Eseln oder zu Fuß aus Dörfern, die bis zu 50 Kilometer vom Lager entfernt sind, um Zugang zu medizinischer Versorgung zu erhalten.

Vor April 2023 wurde das Gesundheitssystem in Nord-Darfur von UN-Organisationen unterstützt. Diese Hilfe ist abrupt zum Erliegen gekommen, da die Versorgungswege auf der Straße und in der Luft stark beeinträchtigt sind. "Seit Mai hat das Welternährungsprogramm keine Lebensmittel mehr in Samsam verteilt", sagt Claire Nicolet. "Die Menschen hungern - und oftmals sterben die Kinder daran. Die Bedingungen im Lager sind grauenhaft. Außer unserer Klinik gibt es keine medizinische Versorgung, kein sauberes Wasser. Die Menschen trinken entweder aus den Sümpfen oder aus dem Fluss, was teils zu schweren Durchfällen führt. Für Kinder, die bereits mangelernährt sind, kann das tödlich sein."


Die Erhebung zur Mangelernährung und Sterblichkeit wurde 10. bis 13. Januar 2024 durchgeführt. Sie umfasste 400 Haushalte und eine Stichprobenpopulation von 3.296 Personen.

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Quelle:
Ärzte ohne Grenzen e. V. / Medecins Sans Frontieres
Pressemitteilung vom 5. Februar 2024
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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 6. Februar 2024

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