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ASIEN/1015: Xi Jinping in Hanoi - Neue Dimension in den chinesisch-vietnamesischen Beziehungen (Gerhard Feldbauer)


Xi Jinping in Hanoi

Neue Dimension der Beziehungen
Generalsekretäre beider Kommunistischen Parteien wollen strategische Partnerschaft festigen und weiter entwickeln

von Gerhard Feldbauer, 14. Dezember 2023


Der Partei- und Staatschef der Volksrepublik China, Xi Jinping, hat am Mittwoch einen zweitägigen Staatsbesuch in der Sozialistischen Republik Vietnam erfolgreich abgeschlossen. Die hochrangigen Experten der Delegationen unterzeichneten über 36 Kooperationsabkommen. Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Vietnams Nguyen Phu Trong würdigte beim Treffen mit Xi, dass das starke sozialistische China unter der Führung des Generalsekretärs und Präsidenten Xi Jinping "immer größere Beiträge zur Sache des Friedens und des Fortschritts der Menschheit leistet" und drückte "seine Wertschätzung für die Unterstützung des chinesischen Volkes für die revolutionäre Sache und den Aufbau des Sozialismus in Vietnams aus", berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Vietnam News Agency (VNA).

Xi Jinping würdigte die großen Ziele, die Vietnam in seiner sozialistischen Entwicklung unter der Führung von Generalsekretär Nguyen Phu Trong erreichte und bekräftigte, dass die chinesische Partei, die Regierung und das chinesische Volk den Beziehungen zu Vietnam große Bedeutung beimessen und das Land als vorrangige Richtung in ihrer Nachbarschafts- und Außenpolitik betrachten.

Der People's Daily, das Sprachrohr der KP Chinas, schätzt ein, der Besuch habe "das gegenseitige politische Vertrauen und die für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit wiederbelebt" und erwartet, dass er die vietnamesisch-chinesischen Beziehungen weiter fördern und sie "zu neuen Höhen führen wird". Xi's Besuch, drei Monate nach der Visite von US-Präsident Biden in Hanoi, demonstriert damit ein weiteres Mal, dass Vietnam seine konsequente Außenpolitik der Unabhängigkeit und Autonomie, des Friedens, der Freundschaft und Zusammenarbeit, die Diversifizierung und Multilateralisierung einbezieht, fortsetzt und dabei, wie Phu Trong betonte, die Entwicklung der Beziehungen zu China oberste Priorität hat und eine strategische Entscheidung ist. Dafür wird in jüngster Zeit, wie Außenminister Bui Thanh Son in The Voice of Vietnam (VOV World) ausführte, der Begriff "Bambusdiplomatie" verwendet. Er besagt, die Grundsätze des Marxismus-Leninismus - anknüpfend an den Lehren Ho Chi Minhs - auf die Diplomatie zu übertragen, wofür der vietnamesische Bambusbaum mit seinen starken Wurzeln, einem festen Stamm und flexiblen Ästen Symbol ist.

Xi Jinping und seine Frau folgen einer Einladung von KPV-Generalsekretär Nguyen Phu Trong und Staatspräsident Vo Van Thuong und ihrer Frauen. Es war der dritte Besuch von Xi Jinping in Vietnam, der anlässlich der Feierlichkeiten zum 15. Jahrestag der Gründung der umfassenden strategischen Kooperationspartnerschaft zwischen den beiden Ländern stattfand. Neben Gesprächen mit Phu Trong und Van Thuong traf Xi Jinping mit weiteren führenden Vertretern der Partei und des Staates zusammen, darunter Premierminister Pham Minh Chinh und der Sekretär des Zentralkomitees und Vorsitzende der Kommission für Außenbeziehungen, Phan Dinh Trac. Xi legte am Mausoleum Ho Chi Minhs einen Kranz nieder.

Die geschlossenen Abkommen betreffen einen breiten Bereich inklusive Verteidigung, Sicherheit, Infrastruktur, Verkehr, Landwirtschaft, Tourismus, Gesundheit, Bildung, Ausbildung, Sport, Wissenschaft und Technologie. Vietnam wird auch die "One Belt, One Road"-Initiative, der es angehört, weiter fördern. Zu Differenzen in maritimen Fragen - hier geht es um die Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer (von Vietnam Ostmeer genannt), auf die beide Länder, aber auch Malaysia, die Philippinen und Brunei Ansprüche erheben - tauschten beide Seiten offen ihre Meinungen aus und betonten die Notwendigkeit, Meinungsverschiedenheiten besser zu kontrollieren und aktiv zu lösen, um Frieden und Stabilität im Ostmeer und in der Region aufrechtzuerhalten.

Beide Länder sind füreinander wichtige Handelspartner. Während China Vietnams zweitgrößter Importmarkt und einer der wenigen Exportmärkte mit einer positiven Wachstumsdynamik ist, steht es für den nördlichen Partner im Handel weltweit an vierter Stelle. China will seine Agrarimporte, insbesondere von Früchten, aus Vietnam erhöhen. Dementsprechend will Vietnam noch 2023 das Malvengewächs Durian im Wert von 1 Milliarde US-Dollar nach China exportieren. Bei Kokosnüssen, wo Vietnam der siebtgrößte Produzent der Welt ist, bezieht China 2,6 Milliarden frische Kokosnüsse und 1,5 Milliarden verarbeitete Kokosnüsse. Da das nur 10 % der Marktnachfrage deckt, wird hier steigender Importbedarf erwartet. Um hier die Basis zu stärken, soll der Zusammenarbeit im Bereich der Verkehrsinfrastruktur wie Eisenbahnen und Autobahnen Vorrang eingeräumt werden. Auch die Seewege sollen für den Transport, die Luftfahrt für Flugverbindungen und das Internet als E-Commerce-Kooperation gestärkt werden.

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Quelle:
© 2023 by Gerhard Feldbauer
Mit freundlicher Genehmigung des Autors

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 15. Dezember 2023

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