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INTERNATIONAL/479: Kolumbien - Gewaltverbrechen erschüttern indigene Gemeinschaften (poonal)


poonal - Pressedienst lateinamerikanischer Nachrichtenagenturen

Kolumbien

Gewaltverbrechen erschüttern indigene Gemeinschaften


Indigene Gemeinschaften fordern zügige Aufklärung und ein entschlossenes und effektives Eingreifen seitens der Regierung.

(Popayán, 2. Dezember 2023, colombia informa) - Indigene Gemeinschaften appellieren mit Nachdruck an die Regierung und internationale Organisationen, zwei Gewaltverbrechen aufzuklären, die sich in kurzer Folge ereigneten: der Mord am spirituellen Anführer Rogelio Chate Peña und die versuchte Vergewaltigung eines indigenen Mädchens durch einen Militärangehörigen.


Bereits der sechste Mord an spirituellem Anführer

Am 30. November wurde Rogelio Chate Peña in einer ländlichen Gegend der Gemeinde Santander de Quilichao (Cauca) ermordet aufgefunden. Der Tote war als Gemeindeältester im Indigenengebiet Pueblo Nuevo im Verwaltungsbezirk Caldono bekannt. "Soweit man weiß, wurde Rogelio Chate Peña zuletzt gesehen, als er neben seinem Motorrad stand und telefonierte. Knapp 500 Meter entfernt hielt sich zu dem Zeitpunkt die Gruppe Columna Móvil Dagoberto Ramos auf, eine bewaffnete Splittergruppe der FARC. Was nach 13:30 Uhr passierte, ist unklar. Die Untersuchungen laufen", so die Pressemitteilung des Regionalen Indigenenrats Cauca (CRIC). In der Nacht des 29. November verschwand Rogelio Chate Peña. Am Folgetag habe man seine Leiche am Straßenrand der Panamericana in El Frutal gefunden, so der CRIC. Rogelio Chate Peña ist bereits der sechste getötete spirituelle Anführer in diesem Jahr. Wegen diesem und weiteren Gewaltvorfällen rief der CRIC die höchste Alarmstufe aus. Gleichzeitig appellierte er "an die Regierung sowie nationale und internationale Organismen und Menschenrechtsorganisationen, der Gewalt, die die indigenen Gemeinschaften erschüttert, dringend und mit höchster Priorität nachzugehen."


Versuchte Vergewaltigung eines indigenen Mädchens durch Militärangehörigen

Am 22. November erstattete die Asociación de Cabildos Indígenas in der nördlichen Caucaregion (ACIN) Anzeige gegen einen Soldaten. Am Morgen des 20. soll er versucht haben, ein 14-jähriges indigenes Mädchen zu vergewaltigen. Der Vorfall ereignete sich in Canoas, ebenfalls in der Gemeinde Santander de Quilichao. Ein ACIN-Sprecher berichtete: "Der Soldat erschien in der Tür unter dem Vorwand, Wasser zu suchen. Das Mädchen half ihm, und just in diesem Moment nutzte er die Gelegenheit, überfiel sie und versuchte, sie zu vergewaltigen. Glücklicherweise gelang es der Minderjährigen, die Aufmerksamkeit von zwei Passant*innen auf sich zu ziehen. Das verschreckte den Soldaten, der daraufhin die Flucht ergriff." In ihrer Pressemitteilung ruft die ACIN die Regierung auf, das Verbrechen mit höchster Dringlichkeit aufzuklären. Außerdem fordert die ACIN, die Gebiete der Indigenen sofort zu entmilitarisieren. Keine der bewaffneten Gruppen generiere Sicherheit oder Schutz, so die Organisation.


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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 15. Dezember 2023

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