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BILDUNG/608: Von Amsel bis Zebra - NABU-naturgucker.de, die zentrale Plattform für Beobachtungen (Naturschutz heute)


NATURSCHUTZ heute - Winter 2023
Mitgliedermagazin des NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V.

Von Amsel bis Zebra
Macht Freude und schafft Wissen: NABU-naturgucker.de ist die zentrale Plattform für Beobachtungen

von Helge May


Eine Warnung aus eigener Erfahrung vorab: Naturgucken kann süchtig machen. Prioritäten verschieben sich und "wo gucken wir denn heute?" wird zur bestimmenden Frage der Freizeitgestaltung. Das Gute ist: Naturgucken kann man überall, es lässt sich nicht nur mit dem Sonntagsausflug verbinden, sondern mit etwas Geschick auch mit Erbtante Ernas Geburtstagsfeier.

Mit Anderen teilen

Naturgucken ist bewusstes Naturerleben. Sich an Vögeln oder Blumen zu erfreuen, steht am Anfang. Als Nächstes interessiert, welchen Arten man begegnet, in der dritten Stufe werden Beobachtungsnotizen gemacht und schließlich reift die Erkenntnis, dass es doch schade ist, die Notizen für sich zu behalten und niemanden teilhaben zu lassen. Hier kommt NABU-naturgucker.de ins Spiel.

Onlineportale jeweils für Schmetterlinge, Moose oder Lurche gibt es viele. Das Besondere an NABU-naturgucker.de: das Portal ist für alle Arten offen, für Pflanzen, Pilze und Tiere - und das weltweit. Hier hat die Zitterspinne aus der Wohnung genauso Platz wie die Amsel aus dem Garten, die Orchidee aus dem Naturschutzgebiet oder das Zebra aus dem Afrika-Urlaub. Es können Zufallsbeobachtungen sein oder auch systematisches Monitoring mit wissenschaftlichem Anspruch. Gemeldet wird per App oder am Bildschirm, punktgenau lokalisiert oder auf in der Karte definierten Beobachtungsgebieten.

Umfassende Möglichkeiten

Diese Vielfalt und Offenheit ist ein Grund, warum der NABU sich schon früh über mehrere Landesverbände und schließlich als Bundesverband an der gemeinnützigen Naturgucker-Genossenschaft beteiligte. Nun hat der NABU seine Anteile weiter erhöht, NABU-naturgucker.de ist "Teil der Familie" und zentrales Citizen-Science-Portal.

"Soziales Beobachternetzwerk" nennt Initiator Stefan Munzinger die Plattform. Auch deshalb passen die Partner so gut zueinander. Beiden sind der Austausch mit Gleichgesinnten und der gemeinsame Einsatz für die Natur wichtig.

Sozial ist NABU-naturgucker.de, weil registrierte Nutzer*innen auf Vermittlung - Mailadressen werden nicht nach außen angezeigt - mit Anderen Kontakt aufnehmen können, sogar Freundeskreise aufbauen und vor allem Beobachtungen und Bilder kommentieren können. Wie beliebt dies ist, zeigt die Zahl von 1,7 Millionen Kommentaren. Dabei geht es nicht nur um gegenseitige Bestimmungshilfe, sondern auch um Lob und geteilte Freude an besonderen Beobachtungen oder gelungenen Fotos.

Wertvolle Naturschutzdaten

NABU-naturgucker.de bietet eine unabhängige Datenbasis für die Naturschutzarbeit. Die Daten lassen sich für das nationale Biodiversitätsmonitoring genauso verwenden wie zur Erfolgskontrolle von Naturschutzmaßnahmen oder bei der Gefahrenabschätzung geplanter Eingriffe. Nicht zuletzt haben NABU-Gruppen so das komplette Arteninventar betreuter Gebiete auf einen Blick.

Die Daten fließen zudem in die Global Biodiversity Information Facility (GBIF) ein. An diesem größten Biodiversitätsdatenprojekt der Welt sind Museen, Forschungseinrichtungen und Meldeportale aus 65 Staaten beteiligt. Schöner Nebeneffekt: Auf den Verbreitungskarten von NABU-naturgucker.de lassen sich die GBIF-Fundpunkte mit anzeigen. Auf Knopfdruck sieht man so zum Beispiel, dass Siebenschläfer auch in den Pyrenäen und im Kaukasus vorkommen und es das Gänseblümchen bis nach Australien und Neuseeland geschafft hat.

Info
Mit oder ohne Anmeldung?

Viele Funktionen stehen allen Besucher*innen der Website auch ohne Login zur Verfügung. Das gilt für das Betrachten oder Filtern der Daten einschließlich der Verbreitungskarten ebenso wie für Bilder und Videos, für die Artensteckbriefe und den Arten-Stammbaum.
Wer Beobachtungen melden, Bilder oder Videos hochladen, andere Beobachter*innen über die Meldeplattform kontaktieren, Bildpunkte vergeben oder Kommentare schreiben will, muss sich einmalig kostenlos registrieren. Eigene Beobachtungen lassen sich bei Bedarf separat auswerten, betrachten oder herunterladen.
Funddaten sensibler Arten werden automatisch nicht punktgenau, sondern nur auf Messtischblatt-Ebene dargestellt. Man kann zudem beim Melden Beobachtungen indivduell als sensibel definieren. Auch lassen sich eigene Artbestimmungen als "unsicher" kennzeichnen und um Bestimmungshilfe bitten.

Plausibel oder nicht?
Einige Meldeplattformen legen großen Wert auf intensive Prüfung der Daten. Dabei wird oft übersehen, dass sich Beobachtungsmeldungen einem eindeutigen "wahr oder falsch" entziehen, bestenfalls ein "plausibel oder nicht" möglich ist. Beim NABU-Naturgucker unterstützen die Community und der Fachbeirat, das letzte Wort haben immer die Beobachter*innen selbst. Bei Unsicherheit oder ungewöhnlichen Beobachtungen hilft das Hochladen eines aussagekräftigen Fotos sehr, selbst damit lassen sich jedoch nicht alle Arten sicher bestimmen.
weitere Info: → www.NABU.de/Plausibilitaet

weitere Infos und Tipps unter
www.NABU.de/NH-Naturgucker

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/naturgucker/34243.html

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Quelle:
Naturschutz heute - Winter 2023, Seite 44-45
Verlag: Naturschutz heute, 10108 Berlin
Hausanschrift: Charitéstraße 3, 10117 Berlin
Tel.: 030/284984-1958, Fax: 030/284984-3958
E-Mail: Naturschutz.heute@NABU.de
Internet: www.naturschutz-heute.de
Herausgeber: NABU, 10108 Berlin
Tel.: 030/284984-0, Fax: 030/284984-2000
E-Mail: NABU@NABU.de
Internet: www.NABU.de
 
"Naturschutz heute" ist das Mitgliedermagazin
des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) e.V.
und erscheint vierteljährlich. Für Mitglieder
ist der Bezug im Jahresbeitrag enthalten.

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 23. Januar 2024

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