Schattenblick → INFOPOOL → UMWELT → FAKTEN


FORSCHUNG/1665: Neue Erkenntnisse zur Kohlenstoffbindung in Böden (idw)


Leuphana Universität Lüneburg - 20.11.2023

Neue Erkenntnisse zur Kohlenstoffbindung in Böden

Verlust von Pflanzendiversität kann sich negativ auf die Kohlenstoffbindung auswirken


Die Ökologin Prof. Dr. Sylvia Haider von der Leuphana Universität Lüneburg ist Co-Autorin einer internationalen Studie über den Zusammenhang der Pflanzendiversität von Grasland und der Kohlenstoffbindung in Böden. Die vor kurzem in der renommierten Zeitschrift Nature Communications publizierten Ergebnisse zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Diversität und chemischer Zusammensetzung der Vegetation gibt. Die Forscher:innen konnten nachweisen, dass in artenreicheren Umgebungen pflanzliche Biomasse entsteht, die sich nach dem Absterben im Boden langsamer zersetzt. Das hat zur Folge, dass mehr Kohlenstoff im Boden gespeichert wird. In trockenen und heißen Klimazonen ist dieses Phänomen besonders ausgeprägt.

Ein Drittel des weltweiten terrestrischen Kohlenstoffbestands ist in Grasland gespeichert. Die neue globale Studie deutet darauf hin, dass dieser Bestand abnehmen könnte, wenn die Artenvielfalt der Pflanzen abnimmt. Das Ergebnis wurde so nicht erwartet, denn bisher ging man davon aus, dass die Kohlenstoffspeicherung im Boden hauptsächlich von der Menge der in den Boden eingebrachten Pflanzenbiomasse abhängt. Die neue Studie zeigt jedoch, dass dafür auch die Qualität der organischen Substanz eine wichtige Rolle spielt, denn eine artenarme Vegetation zersetzt sich offenbar schneller im Boden.

Die Studie basiert auf Daten aus 84 Grasländern auf insgesamt sechs Kontinenten. Studienleiterin Marie Spohn von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften und 29 weitere Forscher:innen aus der ganzen Welt haben mit ihrer Untersuchung das Verständnis dafür, wie die Kohlenstoffspeicherung in Grasländern funktioniert und mit der biologischen Vielfalt und dem Klima zusammenhängt, erheblich erweitert. Die Leuphana-Professorin Sylvia Haider hat für die Studie eine Fläche in Bad Lauchstädt, südlich von Halle, untersucht. Die dabei seit 2015 jährlich erhobenen Daten und ihre Interpretation der Ergebnisse sind in die Studie eingeflossen.

Der vollständige Beitrag ist hier nachzulesen:
https://www.nature.com/articles/s41467-023-42340-0

Zur Person:
Sylvia Haider ist seit März 2023 Professorin für Vegetationsökologie und Biodiversitätsforschung an der Leuphana Universität Lüneburg. Zu ihren aktuellen Forschungsthemen zählen die Wechselwirkungen zwischen Baumartenvielfalt und Ökosystemfunktionen sowie die Auswirkungen von klimabedingten Arealverschiebungen.

*

Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - Pressemitteilung
Leuphana Universität Lüneburg - 20.11.2023
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 24. November 2023

Zur Tagesausgabe / Zum Seitenanfang