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AKTION/061: NABU-Appell an die Ampel - "Mehr Fortschritt wagen" in der Agrarpolitik (NABU)


Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V. - Pressedienst, 15. Januar 2024

NABU-Appell an die Ampel: "Mehr Fortschritt wagen" in der Agrarpolitik

Krüger: Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft umsetzen und Tierwohlabgabe einführen


Berlin - Infolge der Bauernproteste treffen sich die Vorsitzenden der drei Ampel-Fraktionen heute zu Gesprächen mit den Vorsitzenden der Landwirtschaftsverbände. Zu diesem Anlass appelliert der NABU an die Ampelkoalition, die verbleibende Regierungszeit zu nutzen, um die Weichen für einen echten Wandel in der Agrarpolitik zu stellen. Konkret fordert er Maßnahmen gegen die Klimakrise und den Verlust von Arten und Lebensräumen, wie sie im Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) festgehalten sind.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: "Der Frust ist groß. Landwirtschaft und Naturschutz kritisieren seit Jahren die fehlende Zukunftsorientierung der Agrarpolitik und die überbordende Bürokratie. Während die Situation für Natur und Klima und auf den Höfen immer schwieriger wird, verweigern Bundes- und Landesregierungen die Arbeit am langfristigen Wandel in der Landwirtschaft. Ziel muss es sein, Landwirtinnen und Landwirte für ihre Leistungen für Tierwohl, Klima, Umwelt und Natur zu honorieren, wo dies der Markt nicht tut. Wege dahin haben Vertreterinnen und Vertreter aus Naturschutz, Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft im Schulterschluss der Zukunftskommission Landwirtschaft aufgezeigt. Es ist endlich an der Zeit, ihren Abschlussbericht aus der Schublade zu holen und an der Umsetzung der Empfehlungen zu arbeiten."

Wie von der ZKL vorgesehen, sollen sich öffentliche Gelder konsequent und vollständig an Gemeinwohlleistungen wie dem Naturschutz ausrichten und diese Leistungen der Landwirtschaft betriebswirtschaftlich attraktiv honorieren - etwa für die Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes, die Wiedervernässung von Mooren oder die Anlage von Flächen für den Schutz der Artenvielfalt. Zusätzlich spricht sich der NABU auch für die Einführung einer Tierwohlabgabe aus, um den Umbau der Tierhaltung angemessen und gesichert zu finanzieren. Diese würde Tierhaltern echte Perspektiven bieten, ihre Existenzgrundlage zu sichern und ihren Betrieb klima- und umweltschonend weiterzuentwickeln.

Mit einem Appell wendet sich Krüger direkt an die Ampelkoalition: "In ihrem Koalitionsprogramm haben Sie sich einst vorgenommen, 'mehr Fortschritt' zu wagen. Ihr Zeitfenster für echte Veränderungen wird enger. Wir appellieren an Sie: Bringen Sie den nötigen Mut und Gestaltungswillen auf und machen Sie die Landwirtschaft ökologisch wie ökonomisch zukunftsfähig."

Hintergrund

Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) ist ein Beratungsgremium mit mit Vertreterinnen und -vertretern aus Landwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft und Wirtschaft. Die Bunderegierung hat sie im Juli 2020 mit dem Auftrag ins Leben gerufen, "Empfehlungen und Vorschläge zu erarbeiten, um eine nachhaltige, das heißt ökologisch und ökonomisch tragfähige sowie sozial verträgliche Landwirtschaft in Deutschland auch in Zukunft zu ermöglichen". Die ZKL trat im September 2020 zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Im September 2022 bat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir die Mitglieder, ihre Arbeit fortzusetzen.

Die Tierwohlabgabe ist eine Abgabe für Verbraucherinnen und Verbraucher auf tierische Produkte wie Fleisch, Wurst und Milch. Sie soll den Umbau hin zu einer artgerechteren Tierhaltung finanzieren und landwirtschaftliche Betriebe bei der klima- und umweltschonenden Weiterentwicklung ihres Betriebs unterstützen.

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Quelle:
NABU Pressedienst, 15.01.2024
Herausgeber:
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
Pressestelle
Charitéstraße 3, 10117 Berlin
E-Mail: presse@NABU.de
Internet: www.NABU.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 16. Januar 2024

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