Christian Montillon
Kasus 003
Perry-Rhodan-Heft Nr. 3337
Agolei, Sternwürfel, System 5-5-5, Anfang September 2250 NGZ / FENERIK in der Agolei, 2190 NGZ
Auf der Suche nach Reginald Bull erfährt Perry Rhodan von Anzu Gotjian, was sich vor sechzig Jahren ereignet hat: Nachdem die Sextadim-Kapsel der verstorbenen Kastellanin Verind Nott doch noch zurück in den Besitz des Chaoporters gebracht werden konnte, hatte sich Reginald Bull ein Jahr lang der Reparatur des kleinen Schiffes gewidmet und mit FENERIKS herausragender Technik vor allem das Physiotron wieder instand gesetzt. Er konnte die Eichung auf Verind Nott aufheben und das Gerät so justieren, dass die Zelldusche nicht wie bisher nur 226 Tage, sondern 62 Jahre lang anhält. Die erste, die es in Benutzung nahm, war Anzu Gotjian, die dann auch die Sextadim-Kapsel in Besitz nahm.
Zehn Jahre lang suchte man an Bord von FENERIK nach einem Kandidaten für den fünften Quintarchen - ohne Erfolg. Als Anzu Gotjian nach 62 Jahren die Zelldusche das erste Mal wiederholte, erreichte der Chaoporter 2190 NGZ die Agolei und wurde auf das dort herrschende Machtvakuum aufmerksam, denn die kontinuierlich schwindende Eiris deutete darauf hin, dass die Agolei nicht mehr zur Mächtigkeitsballung einer Superintelligenz gehörte. Das Kosmo-Artefakt, das man an Bord von FENERIK mit Kasus 003 gleichsetzte, könnte darin bestehen, dass eine Superintelligenz sich die Agolei anzueignen versuchte oder mehrere Wesenheiten darum kämpften, was wiederum auch deren Mächtigkeitsballungen beeinflusst hätte und zu einer kosmischen Katastrophe führen könnte. Man fand heraus, dass die Superintelligenz LEUN 51 Jahre zuvor aus diesem Bereich verschwunden war.
Die Analysten FENERIKS stießen im Leerraum vor der Agolei in regelmäßigen Abständen auf etliche künstliche Sonnen mit jeweils einem inzwischen unbewohnten Planeten. Reginald Bull und Anzu machten sich damals auf den Weg, um einen dieser Planeten zu erforschen. Dort wurden sie von einer automatischen Überwachungseinheit dazu aufgefordert, zu sagen, ob sie zu den Restauraten oder den Hiesigen gehörten. Mit diesen Begriffen konnten die beiden aber nichts anfangen. Als sie das zum Ausdruck brachten, wurde das Feuer auf sie eröffnet. Erst nachdem es Anzu und Reginald gelungen war, drei Roboter unschädlich zu machen, meldete sich aus dem Akustikfeld des letzten eine Frauenstimme, die um Entschuldigung bat.
Nachdem sie ein weiteres Mal bekräftigt hatten, nicht zu wissen, was unter Hiesigen und Restauraten zu verstehen sei, aber schon von LEUN gehört zu haben, war man bereit, mit ihnen zu sprechen. Die Person hinter der Frauenstimme stellte sich als Fkrantin vor, eine Erükal. Sie bezeichnete sich als eine Getreue Shrells und erzählte, dass sie einst noch im Gleichklang von LEUN gelebt habe und nun eine unendliche Einsamkeit fühle. Denn als LEUN sich auflöste, wurden die Völker der Agolei, die sich schon vor Zehntausenden von Jahren in der den Chaotarchen nahestehenden Superintelligenz vergeistigt hatten, einfach wieder ausgespuckt und verstofflicht.
Fkrantin ließ Anzu über eine psionische Verbindung an ihren Erinnerungen teilhaben, die sie an den Gleichklang hatte. Anzu begriff daraufhin, wie schrecklich es für diejenigen sein musste, die in LEUN miteinander verbunden und nun gezwungen waren, wieder vereinzelt in einem Körper zu leben. Deshalb war sie der Ansicht, den Restauraten helfen zu müssen, LEUN wiedererstehen zu lassen. Doch Reginald wollte sich nicht daran beteiligen, eine negative Superintelligenz zu erschaffen. Da FENERIK ein neutralisierter Chaoporter ist, hatten sich die Quintarchen geeinigt, weder die kosmokratische noch die chaotarchische Seite zu unterstützen. Anzu Gotjian hielt ihm entgegen, negativ mit böse gleichzusetzen, was nicht zutreffe, genausowenig, wie positive Superintelligenzen gut seien.
Zwischen den Restauraten und den Hiesigen, die mit einem körperlichen Leben zufrieden waren und in keiner Superintelligenz aufgehen wollten, tobte bereits ein Bruderkrieg. Nach einem Anschlag auf Fkrantin, bei dem sie ums Leben kam, stellten sich Anzu und Reginald aber auf Seiten der Restauraten. Sie lernten Krash kennen und zu ihrem Erstaunen einen Leun, der wie ein Ilt aussah. Der Yuit meldete, dass sich die Hiesigen einen Ovoidcontainer angeeignet hätten, bei dem es sich um einen wichtigen Bestandteil der Wiedererstehung LEUNS handelte. Shrell war sofort alarmiert und befahl, ihn zurückzuerobern. Krash bat Anzu und Reginald, sie dabei zu unterstützen und die beiden schlossen sich den Restauraten an.
Shrell, die von ihren Leuten sehr verehrt wurde, brachte ihre beiden Gäste auf einen anderen Planeten, wo ein Leunarium stand - eine Art Museum, in dem man die Historie der Superintelligenz LEUN kennenlernte. Hier stießen sie auf überlebensgroße Statuen der unterschiedlichen Völker, die in LEUN aufgegangen waren. Wenn man vor ihnen stand, erfuhr man deren Geschichte. Hier merkte Anzu, dass sie vieles schon wusste - vermutlich aus der geistigen Verbindung mit Fkrantin. Beispielsweise, dass die Trissa, eines der ersten in LEUN eingegangenen Völker, über ein intuitives Verständnis höherdimensionaler Mathematik verfügten. Dadurch waren deren Mitglieder in der Lage, den Sternwürfel zu bauen. So erfuhr sie auch, dass die Yuit die Anomalie fanden und das Wort "Leun" einer alten yuitschen Sprache entstammte, was Harmonie oder Gleichklang bedeutete. Die Yuit waren allerdings auf Hilfe angewiesen, um zu verhindern, dass die in der Anomalie Eingegangenen nicht wahnsinnig wurden.
Das Volk der Wüko hat dann schließlich die vor der Agolei verteilten Nester gebaut, die für das kosmo-architektonische Wunderwerk des Sternwürfels vonnöten waren. Ohne die Nester als Abstrahlstationen hätte die Generation der Glücklichen nie entstofflicht werden können, erfuhr Anzu. Sie empfand die psionisch übertragenen Informationen der Statuen viel intensiver als Reginald Bull. Und als sie das Ende des Gleichklangs erlebte, brach sie im Leunarium zusammen.
Was hatte zum Vergehen LEUNS geführt? Bereits 574 Jahre zuvor fing die Superintelligenz an, in ihr aufgegangene Wesen auszustoßen - die Korrumpierung begann. Da jeder, der den Gleichklang verließ, alles vergaß, was er darin erlebte, hätte man eigentlich nichts mehr darüber wissen können. Aber einen kurzen Moment nach der Verstofflichung war die Erinnerung noch so frisch, dass über Jahrunderte hinweg diejenigen, die verstofflicht wurden, sofort befragt wurden, um ihre Erlebnisse zu archivieren. Aus diesen authentischen ersten Aussagen vor dem Eintritt des Vergessens fügten sich die Berichte zusammen, die man im Leunarium hören konnte.
Anzu und Bully waren nach dem Besuch des Museums der Ansicht, dass FENERIK den Bruderkrieg beenden und zur Wiedererstehung LEUNS beitragen könnte. Doch bevor sie dies in die Wege leiten würden, wollten sie die andere Seite kennenlernen - die Seite der Hiesigen. Shrell braucht alle Völker, um LEUN entstehen zu lassen, doch sie wäre damals nicht dazu bereit gewesen, diese zwangsweise zu entstofflichen. Im Jahre 2190 NGZ setzte sie noch darauf, die Hiesigen überzeugen zu können. Doch diese zettelten im Sternwürfel eine Rebellion an und brachten alle Schattenhandträger auf ihre Seite. Diese wollten den Zyklonwall zum Erlöschen bringen. Würde 5-5-5 fallen und die zentrale Anomalie nicht mehr existieren, wäre es unmöglich, LEUN wiedererstehen zu lassen, was Shrell auf jeden Fall verhindern musste. Aber der Kampf durfte nicht zu viele Tote kosten, denn jedes Leben war für die Erweckung LEUNS wichtig. Sie beschwörte Reginald und Anzu, FENERIK zum Einsatz zu bringen. Die anderen Quintarchen stimmten dem zu und so wollte FENERIK in die Schlacht vor dem Sternwürfel eingreifen.
Wie es dann aber zum Zerwürfnis zwischen Bull und Shrell kam, will Anzu erst dann berichten, wenn sie und Perry Reginald Bull gefunden haben...
8. August 2025
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