Oliver Fröhlich
Der Usurpator
Perry-Rhodan-Heft Nr. 3338
Agolei, Sternwürfel, System 5-5-5, Anfang September 2250 NGZ / FENERIK in der Agolei, 2190 NGZ
Während Perry Rhodan und Anzu Gotjian auf der Suche nach Reginald Bull weitere Stunden durch die stark verwüstete Steuerstation des Sternwürfels streifen und dabei typische Einsatzspuren einer Schattenhand sehen, stoßen sie auf einen Roboter, der sich bei ihrem Anblick aktiviert und sie angreift. Da sie keinerlei Ausrüstung mehr haben, weil sie völlig nackt aus dem Brennenden Nichts gekommen waren und nur die in einem Spind gefundene Einheitskleidung der Kontaktkammer am Leib tragen, besteht die einzige Möglichkeit der Gegenwehr darin, dass Perry Rhodan seine Schattenhand zum Einsatz bringt.
Perrys Gegenwehr wäre allerdings zu spät gekommen, wenn die Schattenhand in der Not nicht auch eigenständig handeln würde. Sie kann nicht nur sogenannte Schwarzbälle schleudern, sondern auch einen von Perry als Finsterschirm bezeichneten Schutzwall errichten. Durch diesen hindurch gelingt es ihm mit Anzus Hilfe den Roboter auszuschalten. Dabei produziert die Schattenhand von sich aus einen Schwarzball der sich in fünf weitere Bälle aufteilt und den Roboter durchlöchert. Daraufhin beobachten die beiden, wie kleine Aufräummaschinen die Reste des nun endgültig zerstörten Roboters abtransportieren, um sie möglicherweise in den Fabriken wiederzuverwerten. Da Anzu und Rhodan bislang nur Kampfspuren, aber nicht deren Verursacher entdecken konnten, schließen sie nun darauf, dass ihre Reste allesamt in die Fabriken abtransportiert worden sind. Ergo wird dies nun ihr nächstes Ziel sein.
Auf dem Weg dorthin erzählt die ehemalige Junior-Quintarchin FENERIKS weiter, wie es letztlich zum Zerwürfnis zwischen Shrell und Bull gekommen ist: 2190 NGZ griffen die Hiesigen den Zyklonwall an und es kam zu einem Kampf zwischen Restauraten und Hiesigen, an dem sich auch FENERIK beteiligte, damit der Zyklonwall, der für die Wiedererweckung der Superintelligenz LEUN unabdingbar war, nicht vernichtet wurde.
Den Besuch einer Werft, in der die ELDA-RON hergestellt werden sollte, ließ sich Shrell trotz eindringlich vorgebrachter Sicherheitsbedenken nicht ausreden. Weil die Hiesigen immer mehr Spione in den Reihen der Restauraten unterbringen konnten, erfolgte auch prompt ein Anschlag auf sie, den sie nur überlebte, weil Anzu darauf bestand, sie mit vier Mitgliedern eines Saumvolkes von FENERIK zu begleiten, die die Eigenschaft hatten, alle auftretenden zerstörerischen Energien in sich aufsaugen zu können. Ein Wüko-Leun und ein Yuit, die der Gruppe vorausgegangen waren, wurden dabei getötet. Die Attentäter wurden von Shrells Sohn angeführt. Dass Shrell deshalb darauf verzichtete, die Attentäter zu bestrafen, stritt sie Anzu gegenüber ab. Sie hoffte, die Hiesigen irgendwann überzeugen zu können. Denn sie war immer noch der Ansicht, jeder Leun würde dieselbe Leere empfinden wie sie. Doch es gab nicht mehr so viele, die den Gleichklang noch erlebt hatten. Und diejenigen, die nach Abschluss der 500 Jahre währenden Auflösung LEUNS geboren wurden, konnten sich unter dem Gleichklang gar nichts vorstellen. Deshalb waren die Hiesigen zahlenmäßig den Restauraten weitaus unterlegen.
Dass ihr eigener Sohn sich auf deren Seite gestellt hatte, setzte ihr doch zu, obwohl sie dies Anzu gegenüber nicht zugeben wollte. Allerdings vertraute sie danach niemandem mehr vollständig, was sie hart werden ließ. Diese Härte steigerte sich im Laufe der Zeit zu Fanatismus.
Sie steckte zwar in dem Dilemma, den Feind nicht töten zu dürfen, da jedes Bewusstsein für die Erweckung LEUNS wichtig war. Doch schließlich machte sie sich Quintarch Farbauds Argument zu Eigen, auf ein paar Tausend würde es doch wohl nicht ankommen. Da Foersh, die Anführerin der Hiesigen, alle Schattenhandträger auf ihre Seite gebracht hatte, ließ Shrell diese von ihren Leuten eliminieren. Einer konnte gefangen genommen werden, wählte dann aber den Freitod. Einem anderen war es tatsächlich gelungen, den Zyklonwall zu erreichen, dort war er aber beim Versuch, das Brennende Nichts zu löschen, gestorben. Bei der Obduktion der Leiche fand man heraus, dass er an einem rasanten Verlust an Vitalenergie gestorben war.
Shrell nagelte Bull darauf fest, ihr zu vertrauen. Da dieser sich verpflichtet fühlte, im Sinne FENERIKS zu handeln, der die Entstehung LEUNS befürwortete, ließ er sich darauf ein. Die Eindringlichkeit, mit der Shrell sein Vertrauen einforderte, ließ ihn jedoch vermuten, dass sie etwas plante, mit dem er nicht einverstanden sein würde. Was auch so war, denn für den Fall, dass es den Feinden doch noch gelingen sollte, den Zyklonwall zu vernichten, beschloss sie, sich Keime des Brennenden Nichts zu besorgen. Bull half ihr dabei, die von ihr geernteten Ableger in Ovoidcontainern zu verstauen, obwohl er das für unverantwortlich gefährlich hielt. Aber da er nicht davon ausging, dass Shrell sich umstimmen ließ, wollte er diese Arbeit niemand anderem überlassen.
Die Hiesigen wurden auf diese Aktion am Zyklonwall aufmerksam und griffen an. Beim sechsten Keim, den Shrell - inzwischen völlig geschwächt - erntete, geschah ein Unglück. Als das Schiff erneut unter Beschuss geriet, stürzte in der Halle, in der die Ovoidcontainer gefüllt wurden, ein Träger von der Decke und begrub Shrell unter sich. Ihr Arm mit der Schattenhand war eingeklemmt und konnte nicht befreit werden. In dieser Situation befahl sie Bull, die Schattenhand zu übernehmen und ihren Arm zu amputieren. Wäre der Arm zuerst amputiert worden, wäre die Schattenhand vergangen. Also willigte Reginald Bull notgedrungen ein, Schattenhandträger zu werden.
Während Bull und Shrell die Anomalienkeime geerntet hatten, bat Anzu Gotjian Krash um einen Kleinstraumer, mit dem sie die Front der Hiesigen auskundschaften wollte. Dabei entdeckte sie ein Schiff, das sich dem Zyklonwall näherte. Im Schutz ihres Deflektorschirms platzierte sie ihr Schiff direkt unter dem der Hiesigen, auf dem sich ihrer Vermutung nach Foersh und ihr letzter Schattenhandträger Ilutaar befanden. Als dann aber ein Trümmerstück auf beide Raumer zuflog und sie in dieselbe Richtung auswichen, stießen ihre Schutzschirme zusammen. Die Folge war, dass beide Schiffe ins Brennende Nichts stürzten.
In der Medostation, in die Shrell gebracht wurde, gab es einen Verräter, der Shrells Zustand an die Hiesigen übermittelte. Dass ihre Schattenhand nicht vergangen, sondern Bull nun ihr Träger war, bekam dieser nicht mit, weil er in dem Moment die Station verließ, als Bull eintraf. Wenig später wurde gemeldet, dass der Zyklonwall schrumpfen würde. Es musste also einem Schattenhandträger gelungen sein, in die Steuerstation vorzudringen, von wo aus man einen Zugriff auf das Brennende Nichts hatte. Offenbar war Ilutaar tatsächlich an Bord des Schiffes, das zusammen mit dem Anzu Gotjians in den Zyklonwall geraten war. Nur er als Schattenhandträger war in der Lage, die Anomalie in der Kontaktkammer der Steuerstation wieder zu verlassen. Von dort aus fing er dann an, den Zyklonwall zu löschen. Reginald Bull war nun der einzige, der das Schrumpfen des Walls aufhalten konnte.
Bull ließ die in einem Heiltank liegende Shrell aus der Bewusstlosigkeit wecken, um ihr die Situation zu schildern. Sie beschwörte ihn, in den Zyklonwall einzudringen und Ilutaar umzubringen. Danach solle er sofort den Gleichklang einleiten. Es gäbe eine Schaltung, die die Großmentatrone aktivieren würden. Shrell war es inzwischen egal, ob sie dabei alle anderen Leun zwangsentstofflichen musste, um die Superintelligenz entstehen zu lassen. Das hatte sie ohnehin schon lange geplant, musste aber zuvor sicher sein, dass alle Schattenhandträger tot waren. Könnte nur einer das Brennende Nichts wieder verlassen, würde er seine Leute aus der Anomalie wieder herausholen und sie danach löschen.
Mit der YDUA flog Bull zum Zyklonwall, übertrug die in seinem Einsatzanzug gespeicherten Daten auf den Rechner der Sextadim-Kapsel und tauchte dann in die Anomalie ein. Beim Durchdringen des Brennenden Nichts konnte er Anzus Bewusstsein wahrnehmen und diejenigen derer, die auf Foershs Schiff gewesen waren. In der Kontaktkammer stieß er auf zerstörte Roboter, einen toten Wächter und Ilutaar, der seine Hand in das Brennende Nichts hielt. Er lag im Sterben, denn trotz der vielen Vitalenergie, die er zuvor getankt hatte - er gehörte einem Leun-Volk an, das von anderen Vitalenergie absaugen konnte - reichte diese nicht aus, um den Zyklonwall vollständig zu löschen. Als Ilutaar bei Bulls Auftauchen die Hand aus dem Nichts zog und auf den Neuankömmling schoss, zielte Reginald mit seiner Schattenhand auf dessen Bein. Der von Bulls Schuss verursachte Wundschock gab dem Leun den Rest - er starb. Seine aufgeladene Schattenhand entlud sich zum Glück ins Brennende Nichts, bevor sie nach dessen Tod verdampfte.
Nachdem sich Reginald Bull mit Kleidung versorgt hatte, zog er Anzu Gotjian, ohne genau zu wissen wie, aus dem Zyklonwall. Danach meldete er sich bei Shrell, um sie über den Stand der Dinge in Kenntnis zu setzen. Sie forderte ihn auf, nun die Entstehung LEUNS in Gang zu setzen, wobei er und Anzu über einen Korridor den Sternwürfel wieder hätten verlassen und mit FENERIK weiterziehen können. Über diesen Korridor wollte Shrell dann zur Steuerstation 5-5-5 gelangen. Reginald Bull widerstrebte es allerdings, diese Anordnungen auszuführen. Er wollte niemanden zwangsentstofflichen. Während er sich in der Station umsah, durchforstete Anzu die Datenbanken und stieß auf eine verschlüsselte Datei, die sich nicht öffnen ließ. Als Reginald Bull den Datenträger berührte, interagierte die Datei offenbar mit seinem chaotarchisch geprägten Zellaktivator und gab die in ihr gespeicherten Informationen preis. Diese enthielten eine Art Tagebuch der Superintelligenz LEUN, das von einem Conduiten erstellt wurde, der kein Teil von LEUN gewesen war, sondern ein Mittler zwischen dem "Greifbaren und dem Entrückten".
Bully schaltete den Korridor so, dass nur die YDUA hindurchpasste und kein weiteres Schiff. Dann sah er sich das Tagebuch LEUNS an. Und so erfuhren sie, dass nach der Entstehung LEUNS die Superintelligenz von den Chaosmächten kontaktiert wurde. Eine Zeitlang trat sie sogar in den Dienst der Chaosmächte, wollte dann aber die in ihr aufgegangenen Bewusstseine vor dem Zugriff der Hohen Mächte bewahren. Sie entließ sie über einen Zeitraum von 500 Jahren wieder ins Universum und löste sich dann auf. Dies war ihre eigene Entscheidung, die sie wohl auch erneut treffen würde. Dass Shrell dies wieder rückgängig machen wollte, lag nur an ihrer inneren Leere, die sie wieder füllen wollte und widersprach dem Willen LEUNS.
Beim Versuch, das Brennende Nichts selbst mit seiner Schattenhand zu löschen, musste Reginald Bull erkennen, dass er selbst mit Zellaktivator gestorben wäre, bevor er es erreicht hätte. Also holte er Foersh aus der Anomalie und schlug ihr vor, sie und ihre Mannschaft zum Flaggschiff der Sternenspitze zu bringen, wenn sie ihm schwöre, sich seinem Kommando zu unterstellen, damit das Sterben ein Ende habe. Foershs Bedingung war, dass Shrell verbannt würde.
Bull nutzte FENERIK als Funkrelais und sendete in den ganzen Sternwürfel und Teile der Agolei das von ihm aufgezeichnete Gespräch, in dem Shrell ihm die Zwangsentstofflichung aller Leun befahl. Er machte die Gefahren deutlich, die damit einhergehen würden und übermittelte auch die entschlüsselten und übersetzten Aufzeichnungen des Tagebuchs von LEUN. All dies führte zu einem rasanten Stimmungsumschwung unter den Restauraten. Sie waren geschockt, fühlten sich hintergangen und liefen zuhauf zu den Hiesigen über. Nur einige Hartgesottene blieben zurück.
Auch FENERIK wechselte die Seite - zwar unter Farbauds Protest, aber auch er sah ein, dass alles andere einen dauerhaften Krieg nach sich zöge.
Shrell weigerte sich natürlich, in die Verbannung zu gehen. Doch die ihr treu ergebenen Schiffe wurden von den Sextadim-Kapseln der Kastellane vertrieben. Allerdings gelang es der ELDA-RON mitsamt den sechs Ovoidcontainern von Brennendem Nichts zu fliehen.
Da Bull nicht sichergehen konnte, dass es nicht doch noch irgendwo Schwarzhandträger gab, wollte er in System 5-5-5 zurückbleiben, während Anzu Gotjian zu FENERIK zurückkehrte, damit wenigstens einer, der den Kosmokraten nahestand, dafür sorgen konnte, dass die Neutralität des Chaoporters gewahrt blieb. Farbaud enthob Bull seines Quintarchenamtes, weil dieser verhindert habe, Kasus 003 zu einem Abschluss zu bringen. Als Anzu nach Jahrzehnten, in denen sie nicht wirklich etwas zur Entscheidungsbildung der Quintarchen beitragen konnte, die Erlaubnis einholte, zum Sternwürfel fliegen zu dürfen, um ihre Zelldusche zu erneuern, meinte Farbaud, dann brauche sie nicht mehr zurückzukehren. Immerhin half FENERIK noch, den Sternwürfel überhaupt zu finden, denn Bull hatte inzwischen eine Transition des ganzen kosmischen Konstrukts durchgeführt. Als man von FENERIK aus die YDUA anforderte, konnte der Sternwürfel vom Chaoporter aus lokalisiert werden.
Doch Anzu fand lediglich Trümmer vor, als sie die Steuerstation erreichte. Auch das Physiotron war zerstört, so dass sie nun nur noch zwei Jahre zu leben hat. Gemeinsam mit Perry sucht sie die Fabriken der Steuerstation auf, wo sie auf die Reste etlicher zerstörter Roboter stoßen. Hier muss erst vor Stunden ein erbitterter Kampf zwischen Robotern stattgefunden haben. Unter einigen Trümmern ragt ein menschlicher Fuß hervor. Es ist der von Reginald Bull. Eilig versuchen Perry und Anzu den Freund zu befreien. Als sie es endlich schaffen, stellen sie fest, dass er nicht mehr atmet.
15. August 2025
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