Michelle Stern
Letzte Rettung 4774
Perry-Rhodan-Heft Nr. 3339
Leerraum vor der Agolei, OBJEKTIV-Station 4774, Ende August 2250 NGZ
Vor zehn Tagen ist Perry Rhodan aufgebrochen, um Atlan, Gucky und Liam Barstow aus den Klauen Shrells zu befreien. Seine schwer erkrankte Frau Sichu Dorksteiger, die eine Gefangene Shrells war, ließ er in der Obhut Meghan Ontares' und Zhobotters auf der wycondrischen OBJEKTIV-Station 4774 zurück, wo sie mit Wissen der Obersten Architektin Terrybor nach einer Heilungsmethode forschen wollen.
Shrell hatte ihre Gefangene an Bord der ELDA-RON in ein Mentatron verbannt. Als der Entstofflichungsprozess gewaltsam unterbrochen wurde, blieb ein Teil von Sichus Körpersubstanz in einer Art Raum hinter dem Brennenden Nichts, der den Kern des Mentatrons bildet, zurück. Seitdem wird sie immer wieder entstofflicht und hat von Mal zu Mal weniger Masse, wenn sie wieder auftaucht.
Terrybor steht politisch unter Druck, weil es die wycondrische Kultur verbietet, Fremden Zugang zur Technik ihres Volkes zu gestatten. Aber sie verspürt eine gewisse Verpflichtung den Terranern gegenüber. Vor fünfzig Jahren wurde ihr Lebensgefährte Bonnifer von Shrell entführt und gezwungen, mit ihr in die Milchstraße nach Terra zu fliegen, wo sie Brennende Nichtse zündete. Auf dieselbe Weise vernichtete sie kurz vor ihrem Abflug aus der Agolei den Heimatplaneten der Wyconder. Die paradiesische Welt ist inzwischen ein gewaltiges, im All treibendes Nichts und ihre einstigen Bewohner mussten sich auf eine karge Nachbarwelt zurückziehen.
Die Terraner hatten Bonnifer Asyl gewährt, obwohl er demselben Volk wie die Verbrecherin Shrell anzugehören schien. Nun will Terrybor den Terranern helfen, auch wenn sie damit ihre Karriere gefährdet. Sie wird vor allem von den Mitgliedern des Ordens der Datenkunde angefeindet. Diese haben Einblick in die Geschichte der Wyconder, die dem normalen Volk vorenthalten wird. Auch Terrybor wurde, obwohl sie die Anführerin der Wyconder ist, bislang nicht davon in Kenntnis gesetzt, was eigentlich hätte geschehen müssen. Sie hatte jedoch selbst bereits herausgefunden, dass ihre Vorfahren Technikdiebe waren - ein Umstand, der von der Prälatin des Ordens um jeden Preis geheimgehalten wird.
Einzelne Mitglieder wollen sich diesem Zwang jedoch nicht unterordnen. Dazu gehört die Novizin Kavron. Sie ist bereit, Terrybor und die Galaktiker zu unterstützen. Mit ihrer Hilfe kann die Stationskommandantin Inathol getäuscht werden und eine Medostation für Sichu freigehalten werden, wo Meg Ontares mit einem Medotransmitter experimentiert, um ihrer Patientin zu helfen.
Ein anderer, der sich dem Diktat des Ordens widersetzt hat, war der inzwischen verstorbene Datenhirte Botabar. Er war zusammen mit Perry Rhodan und Zhobotter auf Terrybors Geheiß hin zu einem plötzlich aufgetauchten riesigen Schiff geflogen, das sie eigentlich hätten vernichten sollen. Perry wollte sichergehen, dass sich niemand an Bord aufhielt und war ins Innere vorgedrungen. Botabar hatte in der Zentrale ein Kästchen gefunden, das er heimlich an sich nahm und damit die Selbstzerstörung des Schiffes auslöste. Er brachte seine Beute in Sicherheit und ließ Perry und Zhobotter ungeschützt zurück. Nachdem diese gerettet werden konnten, spürte man das Schiff, mit dem Botabar geflohen war auf und fand nur noch seine Leiche. Das von ihm entwendete Kästchen war offen und leer.
Terrybor veranlasste, dass Botabars sterbliche Überreste an Bord von OBJEKTIV-Station 4774 gebracht wurden, damit nicht auffiel, dass er etwas Verbotenes gemacht hat, denn es hätte mit ihr in Zusammenhang gebracht werden können. Perry Rhodan fand das sehr gefährlich, da niemand wusste, wo der Inhalt des Kästchens abgeblieben war.
Kavron hat nun eine hochwertige wycondrische Analyse-Technik zur Verfügung gestellt, die Meg Ontares mit allen Daten füttern kann, die Sichus Problem umfassen. Während Meg Ontares auf die Auswertung wartet, wandern ihre Gedanken zurück in ihre Kindheit. Sie verlor schon mit zwei Jahren die Mutter und wuchs mit ihrem älteren Bruder Merrin und dem Vater Thomas auf, die vor anderthalb Jahren durch das Brennende Nichts auf Terra ums Leben kamen. Beide wurden, als Meghan zehn Jahre alt war, bei einem Unfall verschüttet. Während Merrin heil davonkam, erlitt ihr Vater schwere Verletzungen und wurde von dem Ara Lomasur behandelt. Als Meghan mitbekam, dass dieser ihrem Bruder ohne Wissen des Vaters eine Heilungsmethode anpries, war sie empört über das arrogante Verhalten des Arztes. Schon als Kind war ihr das Mitspracherecht der Patienten wichtig. Der Notfallarzt Egor Gregorshyn, der sich um das unbegleitete Kind kümmerte und sich ihre Beschwerde anhörte, prophezeite ihr, eine gute Ärztin werden zu können - was sie dann auch wurde. Lomasur heilte ihren Vater, wofür sie ihm im Nachhinein dann doch sehr dankbar war.
Egor Gregorshyn wurde später ihr Doktorvater, Ruby Cole, Mutter von Jade und Jasper Cole (Cameron Rioz' Freund) ihre Mentorin. Als Lomasur unheilbar erkrankte, forschte Meg unermüdlich, ohne sich zu schonen daran, eine Heilmethode zu finden und musste sich schließlich doch mit ihrem Scheitern abfinden - einem Scheitern, mit dem sie nun wieder konfrontiert wird, denn sie und Zhobotter stoßen bei der Heilung Sichu Dorksteigers an ihre Grenzen.
Das wycondrische Analytikum offenbart, dass Sichu Dorksteiger auf psionischer Ebene im Raum hinter dem Brennenden Nichts verankert ist und wegen der Schwankungen zwischen diesem und dem Einsteinschen Kontinuum phasenweise entstofflicht. Der Anker zieht sie immer wieder in den sechsdimensionalen Bereich und damit in Richtung Tod. Meg fand heraus, dass man Sichu mit Zhobotters Nanorobotern von diesem Anker lösen könnte. Wenn man sie ihr mehrmals injiziert, sie dann im Medotransmitter entstofflicht und wieder zurückholt, müsste man die fortschreitende Entstofflichung stoppen und rückgängig machen können. Erste Versuche zeigen sogar einen Erfolg, doch ihnen stehen nicht genug Nanoroboter zur Verfügung. Zhobotter würde, wenn er noch mehr hergäbe, dies mit seinem Leben bezahlen.
Zhobotter appelliert dafür, Sichu im Unwissen zu lassen, aber Meg besteht darauf, ihr die Lage in einer ihrer stofflichen Phasen zu offenbaren. Sichu wusste es bereits und hatte sich schon gefragt, wann Meg es ihr sagen würde. Sie nimmt es mit Fassung und bedauert nicht sich, sondern Perry, der nun wieder einen geliebten Menschen verlieren wird. Doch noch will Meg nicht aufgeben. Allerdings läuft ihnen die Zeit davon. Inathol und Kavron verlassen die Station und Inathols Nachfolgerin Feraklur ist eine Fanatikerin. Sie verdächtigt Terrybor, etwas vor ihr zu verbergen und setzt einen Novizen darauf an, die Oberste Architektin auszuspionieren. Die Aktivitäten in der eigentlich gesperrten Medostation fliegen auf, Terrybor soll festgenommen werden.
Noch ahnt niemand, dass der OBJEKTIV-Station eine gewaltige Gefahr droht, die vermutlich mit Botabars Leiche an Bord gekommen ist. Bislang hielt Meg Ontares die kratzenden und trippelnden Geräusche über sich in den Wartungsschächten von sogenannten Retetten verursacht - Nagetieren. Doch in Wirklichkeit sind es kleine Maschinen, mit denen es Monkey, Icho Tolot, Cameron Rioz und Jasper Cole schon in der Milchstraße zu tun hatten. Dort wurden die putzig aussehenden Maschinenwesen zunächst 'Krabbler' dann 'Fressmetall' genannt, weil sie sich auf sämtliche Materie stürzen und sie auflösen. Dabei hinterlassen sie Löcher, die wie neunzackige Sterne aussehen.
Als Feraklur Terrybors angebliches Komplott gegen den Orden aufdeckt, brechen plötzlich mehrere Fressmetall-Maschinchen durch die Decke und verdoppeln sich, sobald sie sich an der Einrichtung gütlich getan haben. Zhobotters Nanorobotern gelingt es zwar, einen der Krabbler, der sich auf Megs Kopf gestürzt hatte, unschädlich zu machen, aber das Fressmetall vermehrt sich exponentiell und vernichtet katastrophalerweise auch den für Sichu lebensnotwendigen Medotransmitter, ohne den ihre Behandlung nicht fortgesetzt werden kann.
Das Fressmetall breitet sich unaufhaltsam aus. Die Station muss evakuiert werden. Doch Feraklur verweigert Terrybor und den Galaktikern, das Fluchtschiff zu besteigen, mit dem sie sich selbst in Sicherheit bringen will. Diese kämpfen sich zu einem anderen Modulraumer durch, nehmen noch einige wycondrische Wissenschaftler mit und fliehen ins All. Dort hören sie die letzte Nachricht Feraklurs. Ihr Schiff ist bereits von Fressmetall infiziert gewesen. Es explodiert und alle Flüchtenden sterben. Auch auf Terrybors Schiff tauchen Krabbler auf. Die infizierten Module, auf denen sich die Wissenschaftler befinden, müssen abgesprengt werden. Der Rest des Schiffes stürzt aus dem Hyperraum und treibt kommunikations- und manövrierunfähig durch die Agolei. Das einzige, was Terrybor noch tun kann, ist, einen Notruf abzusetzen, der allerdings nur wenige Lichtjahre weit sendet. Sichu löst sich erneut auf und niemand weiß, ob sie jemals wieder auftauchen wird. Meg Ontares hofft allerdings, dass sie sich in dieses Kontinuum zurückkämpfen wird.
22. August 2025
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