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GYNÄKOLOGIE/665: Perinatologie als Teamarbeit - Respektvoller Umgang in der Geburtshilfe (AKF)


Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF)
Pressemitteilung vom 15. Dezember 2023(*)

Perinatologie als Teamarbeit - Respektvoller Umgang in der Geburtshilfe

Interprofessionelle Hauptsitzung, 30.11.2023, DGPM-Kongress


Die gute Geburt als Ergebnis respektvoller Teamarbeit stand im Mittelpunkt der interprofessionellen Hauptsitzung des 31. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) vom 29.11.-2.12.2023 in Berlin. Die gemeinsame Sitzung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), des Arbeitskreises Frauengesundheit (AKF), der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) und Mother Hood thematisierten den respektvollen Umgang mit Schwangeren, Gebärenden, begleitenden Angehörigen aber auch im interprofessionellen Miteinander aus unterschiedlichen Perspektiven.


Würdevolle und wertschätzende Gesundheitsversorgung

Prof. Dr. Maritta Kühnert, leitende Oberärztin der Klinik für Geburtshilfe und Perinatalmedizin der Uniklinik Marburg, stellte den kürzlich von der DGGG herausgegebenen Leitfaden "Respektvoller Umgang mit Patientinnen in Praxis und Klinik in der Gynökologie und Geburtshilfe" vor. In diesem sind Standards enthalten, die jeder Frau eine würdevolle und wertschätzende Gesundheitsversorgung ermöglichen soll. Hierzu gehören eine respektvolle und wertschätzende Kommunikation, das Erklären von Nutzen und Risiken der vorgeschlagenen Untersuchungen und Maßnahmen, eine gemeinsame Entscheidungsfindung, das Einholung der Zustimmung für alle Untersuchungen und insbesondere ein sensibler Umgang bei der vaginalen Untersuchung - für Frauenärzt:innen eine alltägliche Aufgabe, für Frauen eine Ausnahmesituation. Ebenso werden die ärztliche Selbstreflexion, Kommunikation im gesamten Team und die Bedeutung des postpartalen Nachgesprächs betont.


Im Team gemeinsam die Geburt meistern

Ob eine Gebärende sich respektiert, aufgeklärt und ermutigt fühlt oder aber Bevormundung, Herabsetzung und im schlimmsten Fall Traumatisierung erlebt, hängt entscheidend von der Haltung und der Sprache der Geburtshelfenden ab. Gebärende wünschen sich Hebammen und Gynäkolog:innen, die mit ihr gemeinsam im Team die Geburt meistern "Frauen möchten vertrauen können", so Katharina Desery, die als Pressesprecherin der Elternorganisation Mother Hood die Wünsche und Bedürfnisse der Eltern vertrat. Noch immer erleben Gebärende, dass über ihren Kopf hinweg kommuniziert wird oder Interventionen, wie beispielsweise ein Dammschnitt oder der nicht-evidenzbasierte Kristeller-Handgriff, ohne Einverständnis vorgenommen werden. Eine frau- und familienzentrierte Geburtshilfe sieht Geburt als ein grundsätzlich physiologisches, emotionales und einmaliges Lebensereignis an und zeichnet sich durch Vertrauen in die individuellen Fähigkeiten und Ressourcen von Frauen und Familien aus. Zentrale Elemente dieser Haltung sind neben einer respektvollen, empathischen und empowernden Kommunikation, eine evidenzbasierte Versorgung, die unnötige Interventionen vermeidet. Damit dies gelingen kann, braucht es nicht nur das Bekenntnis der Berufsgruppen, sondern auch die Reflexion des geburtshilflichen Teams über alle Handlungen und Unterlassungen in der Geburtsbetreuung.


Als Hebammen von Morgen respektvolle Geburtshilfe lernen

Respektvoller Umgang betrifft nicht nur die Gebärende und ihre Begleitperson, sondern auch im Kreißsaal eingesetzte Studierende der Hebammenwissenschaft. Selina Reinsch und Greta Wolters, Studierende des dualen Studiengangs Hebammenwissenschaft der Universität Hamburg und der Hochschule für Angewandte Wissenschaft (HAW) Hamburg gründeten mit anderen Studierenden die Arbeitsgruppe "Respektvolle Lernumgebung", um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, als angehende Hebammen eine achtsame und evidenzbasierte Geburtshilfe zu erleben, um zu kompetenten Hebammen zu werden. "Denn wie sollen wir es lernen, wenn wir es nicht erleben?", so Reinsch und Wolters. "Wenn wir es schaffen eine respektvolle Lern- und Arbeitsumgebung herzustellen, wird die Geburtshilfe automatisch respektvoll, denn eine respektvolle Teamarbeit erhöht die Zufriedenheit und das Wohlbefinden aller Beteiligten. Unsere Vision ist es, eine respektvolle Geburt allen Gebärenden zu ermöglichen, die sich in unsere Obhut begeben. "Wir sind die Hebammen von Morgen. Wir wollen eine respektvolle Geburtshilfe lernen, um sie in Zukunft selbst umzusetzen". Ihren Beitrag in der Sitzung gestalteten sie gemeinsam mit Prof. Dr. Sabine Striebich, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. "Als Studiengangsleitung ist es mir ein großes Anliegen, dass Studierende auf eine gute Lernumgebung in der Praxis treffen, denn diese Erfahrungen prägen ihr Selbstverständnis als Hebamme.


Arbeitskreis Frauengesundheit e.V.
Der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) ist der größte unabhängige Zusammenschluss von Frauengesundheitsorganisationen und Fachexpertinnen zur Frauengesundheit im deutschsprachigen Raum. unabhängig - überparteilich


(*) Pressemitteilung:
Perinatologie als Teamarbeit - Respektvoller Umgang in der Geburtshilfe
Pressemitteilung der Fachgruppe Hebammen, zusammen mit Maritta Kühnert, Vertreterin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) im Runden Tisch Lebensphase Eltern werden, die einen Beitrag für den 31. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) hielt, der vom 30.11.-2.12.2023 in Berlin stattfand. Das Thema: Respektvolle Kommunikation und Kooperation im Kreißsaal. Die Fachgruppe machte beim 17. Deutschen Hebammenkongress vom 15-17.05.2023 einen Stand, um über die Arbeit des AKF zu informieren und neue Mitglieder zu gewinnen.

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Quelle:
Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF)
Pressemitteilung der Fachgruppe Hebammen vom 15. Dezember 2023
Bundesallee 42, 10715 Berlin
Telefon: 030/86 39 33 16, Fax: 030/86 39 34 73
E-Mail: buero@akf-info.de
Internet: www.arbeitskreis-frauengesundheit.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 29. Dezember 2023

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