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NOTFALL/367: Ultraschall - Mit sonografischer Hilfe schnell und gezielt Schmerzen lindern (DEGUM)


Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin - DEGUM e. V. | Pressemitteilung vom 7. Dezember 2023

Ultraschall im Notfalleinsatz

DEGUM-Experte: "Mit sonografischer Hilfe schnell und gezielt Schmerzen lindern"


Berlin - Schmerzen so gut und so schnell wie möglich lindern - hinter diesem Anspruch bleibt die medizinische Notfallbehandlung oft zurück. Denn die Gabe von Schmerzmitteln ist in Notfallsituationen mit Risiken verbunden. Eine wirksame und nebenwirkungsarme Alternative zu Medikamenten ist die gezielte Blockade der Nerven, die für den Ort der Verletzung relevant sind.


Akute Verletzungen und andere medizinische Notfälle gehen häufig mit starken oder sehr starken Schmerzen einher. Dennoch scheint die Schmerzlinderung in der Notfallmedizin eine untergeordnete Rolle zu spielen. "Studien zeigen immer wieder, dass viele Patientinnen und Patienten erst mit erheblicher Verzögerung eine Schmerztherapie erhalten - und diese dann oft nicht ausreichend dosiert ist", sagt Dr. med. Peter Schwarzkopf, Oberarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Palliativmedizin am Sana Klinikum Borna und stellvertretender Leiter der DEGUM-Sektion Anästhesiologie. So offenbarte eine große Untersuchung in mehreren europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, dass weniger als die Hälfte der Notfallpatientinnen und Notfallpatienten eine adäquate Schmerzlinderung erfuhr. Andere Studien ergaben, dass rund 40 Prozent überhaupt kein Schmerzmittel erhielten, bei den übrigen dauerte es im Durchschnitt 90 Minuten, bis eine Therapie eingeleitet wurde. Zudem wurde fast die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit anhaltenden Schmerzen nach Hause entlassen.

Tatsächlich gibt es medizinische Gründe, die gegen eine sehr schnelle Gabe von hoch dosierten oder starken Schmerzmitteln sprechen. "Starke Schmerzmedikamente wie Morphin führen teilweise schon bei niedriger Dosierung zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Sedierung und Atemdepression", berichtet Schwarzkopf. Das schränke die Aufklärungsfähigkeit des Patienten ein und erschwere die eigentliche Behandlung. Zudem werde dadurch eine umfangreiche und personalintensive Überwachung von Kreislauf und Atmung notwendig. Nicht zuletzt habe man es gerade in der Notaufnahme nicht selten mit alkoholisierten Patienten zu tun. Bei diesen kann selbst eine einfache Kurznarkose mit lebensbedrohlichen Risiken wie der Aspiration von Mageninhalt verbunden sein.

Wesentlich risikoärmer und schonender ist die Regionalanästhesie, die in der Regel immer dann möglich ist, wenn sich die Verletzungen im Bereich der Extremitäten befinden. Im Gegensatz zu oral oder intravenös verabreichten Schmerzmitteln, die im ganzen Körper wirken, wird hier nur der Verletzungsbereich betäubt. "Das geschieht, indem ein Lokalanästhetikum in die unmittelbare Nähe der betroffenen Nerven gespritzt wird und diese gezielt blockiert", erklärt Schwarzkopf. Besonders sicher und präzise lässt sich die Nervenumgebung ansteuern, wenn die Position von Nadel und Nerv kontinuierlich per Ultraschall verfolgt wird. So kann die individuelle Lage der Nerven berücksichtigt und das Risiko einer Nervenschädigung minimiert werden. Dank kleiner, tragbarer Ultraschallgeräte ist eine solche ultraschallgesteuerte Nervenblockade heute auch im Rettungsdienst und in der Notaufnahme möglich.

Wie leistungsfähig diese Methode ist, erklärt Schwarzkopf am Beispiel des ausgekugelten Schultergelenks, einer häufigen Sportverletzung, die mit extremen Schmerzen einhergeht. "Mit einem mobilen Ultraschallgerät kann bereits der Notarzt vor Ort eine gezielte Blockade des Armnervengeflechts vornehmen", sagt der erfahrene Anästhesist. Damit könne der Betroffene sehr schnell und effektiv von seinen Schmerzen befreit werden. Im Idealfall könne sogar die ansonsten äußerst schmerzhafte Einrenkung des Schultergelenks noch vor Ort durchgeführt werden.

Neben der schnellen Schmerzlinderung punktet die ultraschallgesteuerte Nervenblockade auch damit, dass sie das Bewusstsein des Patienten nicht beeinträchtigt. "Ein wacher, kooperationsfähiger und weitgehend schmerzfreier Patient trägt wesentlich dazu bei, die Abläufe bei Transport, Diagnostik und Therapie zu beschleunigen", sagt Schwarzkopf. Das sei nicht nur für die Verletzten, sondern auch für das medizinische Personal ein großer Gewinn.

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Quelle:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin - DEGUM e. V.
Pressemitteilung vom 7.12.2023
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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 12. Dezember 2023

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