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ORGANISATION/644: Drohende Hungersnot in Gaza - Kinder sterben an Mangelernährung (Unicef)


UNICEF - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
Amman/Berlin - 5. März 2024

Drohende Hungersnot in Gaza: Kinder sterben an Mangelernährung

Statement von Adele Khodr, UNICEF-Regionaldirektorin für den Nahen Osten und Nordafrika


"Unsere Befürchtungen haben sich bestätigt: Kinder im Gazastreifen sterben, während Mangelernährung um sich greift. Mindestens zehn Kinder sind Berichten zufolge in den letzten Tagen im Kamal Adwan Krankenhaus im nördlichen Gazastreifen an Dehydrierung und Mangelernährung gestorben. Es ist davon auszugehen, dass weitere Kinder in den wenigen verbliebenen Krankenhäusern des Gazastreifens um ihr Leben kämpfen, insbesondere im Norden, wo sie keine medizinische Versorgung erhalten können. Diese tragischen und entsetzlichen Todesfälle wurden von Menschen verursacht - und sie sind vorhersehbar und absolut vermeidbar.

Der weit verbreitete Mangel an nahrhaften Lebensmitteln, sauberem Wasser und medizinischer Versorgung - eine direkte Folge der Zugangsbeschränkungen und der zahlreichen Gefahren, denen die Hilfsprogramme der Vereinten Nationen ausgesetzt sind -hat Auswirkungen auf die Situation der Kinder und Mütter und führt dazu, dass sie ihre Babys nicht stillen können, insbesondere im nördlichen Gazastreifen. Die Menschen sind hungrig, erschöpft und traumatisiert. Viele kämpfen ums Überleben.

Der Unterschied zwischen der Lage im Norden und Süden des Gazastreifens zeigt, dass die Einschränkungen der humanitären Hilfe im Norden Leben kosten. Im Januar von UNICEF und dem Welternährungsprogramm (WFP) im Norden erhobene Daten zeigen, dass rund 16 Prozent - eins von sechs Kindern unter zwei Jahren - akut mangelernährt sind. In Rafah im Süden des Gazastreifens, wohin mehr Hilfsgüter gelangen, sind es fünf Prozent.

Humanitäre Hilfsorganisationen wie UNICEF müssen in die Lage versetzt werden, die humanitäre Krise umzukehren, eine Hungersnot zu verhindern und das Leben von Kindern zu retten. Dafür benötigen wir verlässlichen Zugang über mehrere Übergänge, auch in den nördlichen Gazastreifen, sowie Sicherheitsgarantien und ungehinderten Zugang zu Menschen in Not, um Hilfsgüter in großem Umfang im gesamten Gazastreifen zu verteilen - ohne Hindernisse, Verzögerungen und Zugangsbeschränkungen.

UNICEF hat seit Oktober davor gewarnt, dass die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen exponentiell ansteigen würde, wenn eine anhaltende humanitäre Krise ausbricht. Nun hat sich die Lage weiter verschärft. In der vergangenen Woche hat UNICEF gewarnt, dass die Zahl vermeidbarer Todesfälle bei Kindern in Gaza explosionsartig zunehmen wird, wenn die sich verschärfende Ernährungskrise nicht adressiert wird.

Nun sind die befürchteten Todesfälle bei Kindern eingetreten. Und sie werden voraussichtlich weiter zunehmen, wenn der Krieg nicht beendet und die Hindernisse für die humanitäre Hilfe nicht sofort aufgehoben werden.

Das Gefühl der Hilflosigkeit und Verzweiflung bei Eltern und Ärzten, wenn sie feststellen, dass lebensrettende Hilfe nur wenige Kilometer entfernt nicht zu ihnen gelangt, muss unerträglich sein. Noch schlimmer sind die verzweifelten Schreie der Babys, die vor den Augen der Welt mit dem Leben ringen. Das Leben von Tausenden weiterer Babys und Kinder hängt davon ab, dass jetzt dringend gehandelt wird."

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Quelle:
UNICEF - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
Statement vom 5. März 2023
Herausgeber: Deutsches Komitee für UNICEF, Pressestelle
Höninger Weg 104, 50969 Köln
Telefon: 0221/936 50-0, Fax: 0221/93 65 02 79
E-Mail: mail@unicef.de
Internet: www.unicef.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 8. März 2024

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