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WETTER/055: Unwetter 2023 in der Schweiz - lokal grosse Schäden, keine Todesopfer (WSL)


Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL - 07.03.2024 | Käthi Liechti | WSL News [1]

Unwetter 2023 - lokal grosse Schäden, keine Todesopfer


Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzereignisse richteten 2023 Schäden in der Höhe von rund 75 Millionen Schweizer Franken an. Dies ergab die jährliche Auswertung der Unwetterschadens-Datenbank durch die Eidg. Forschungsanstalt WSL.

Lokal kam es im Jahr 2023 zu grossen Schäden, schweizweit betrachtet war 2023 im Vergleich zum langjährigen Mittel und Median jedoch ein eher schadenarmes Jahr. Nicht zuletzt dank guter Präventionsmassnahmen gab es 2023 erfreulicherweise keine Todesopfer durch Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzprozesse. In der 52-jährigen Beobachtungsreihe rangiert das Jahr 2023 mit einer Schadenssumme von 75 Millionen Franken auf Platz 37. Der grösste Teil der geschätzten Schadenskosten (rund 66%) entstand durch Rutschungen, gefolgt von Hochwasser (21%), Steinschlag und Felssturz (7%) und Murgängen (6%). Ursache waren vor allem Dauerregen (67%) und Regen in Kombination mit Schneeschmelze (18%).

Viele und langandauernde Evakuationen

Das Schadenjahr 2023 wurde dominiert von den Ereignissen in Schwanden (Gemeinde Glarus Süd). Dort ging am 29. August 2023 eine grosse Rutschung ins Siedlungsgebiet nieder, zerstörte mehrere Häuser und machte weitere unbewohnbar. Eine aussergewöhnliche Situation erlebte auch das Dorf Brienz/Brinzauls in der Gemeinde Albula GR, wo nach wochenlanger Evakuation der Dorfbevölkerung am 15. Juni der erwartete Felssturz/Schuttstrom niederging, ohne im Dorf selbst Schäden anzurichten.

In beiden Ortschaften wurde die betroffene Bevölkerung rechtzeitig evakuiert, so dass niemand zu Schaden kam. In Brienz/Brinzauls konnten die über 80 Einwohnerinnen und Einwohner nach gut sieben Wochen wieder in ihr Dorf zurückkehren. In Schwanden konnten hingegen erst wenige der über 100 Evakuierten zurück in ihre Wohnungen. 40 Personen werden aufgrund der Zerstörung nicht mehr in ihr altes Zuhause zurückkehren können.

Hochwasser

Dauerregen führte Ende August vor allem im Tessin und in der Ostschweiz zu angespannten Hochwassersituationen, die Schäden hielten sich jedoch in Grenzen. Im November und Dezember führten anhaltende Niederschläge in Kombination mit Schneeschmelze vor allem in der Westschweiz, im Wallis, im Berner Oberland und um die Jurarandseen zu Überschwemmungen, Murgängen und Rutschungen.

Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL sammelt seit 1972 systematisch Informationen über Unwetterschäden. Die mit Unterstützung des Bundesamts für Umwelt BAFU erstellte Datenbank enthält Angaben zu Schäden durch Hochwasser, Murgänge und Rutschungen sowie zu Steinschlag, Fels- und Bergsturz. Schäden als Folge von Lawinen, Schneedruck, Erdbeben, Blitzschlag, Hagel und Sturmwind werden in den Auswertungen nicht berücksichtigt. Die Abschätzung der Sach-, Infrastruktur-, Wald- und Landwirtschaftsschäden basiert hauptsächlich auf Medienberichten. Die Daten stehen Fachleuten auf Anfrage zur Verfügung und bilden eine wichtige Grundlage zur Gefahrenbeurteilung. Die Erhebung zu den Unwetterschäden durch die WSL dient der Umweltberichterstattung des Bundesamts für Umwelt BAFU.

Publikation
Liechti K., Badoux A. (2024) Unwetterschäden in der Schweiz 2023. Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzprozesse Wasser Energ. Luft 116(1), 5-13. Institutional Repository DORA

Services und Produkte
Unwetterschadens-Datenbank

Die Unwetterschadens-Datenbank umfasst über 28'000 Einträge zu Unwettern in der Schweiz seit 1972. Auf einer interaktiven Karte kann die räumliche Verbreitung der Schäden von 1972 bis 2023 und während einzelnen Grossereignissen betrachtet werden.
https://www.wsl.ch/de/services-produkte/unwetterschadens-datenbank/


Bildunterschriften der im Schattenblick nicht veröffentlichten Abbildungen der Originalpublikation:
  • In der späten Nacht des 15. Juni 2023 löste sich in Brienz/Brinzauls (Gemeinde Albula GR) der seit Wochen erwartete Felssturz/Schuttstrom in zwei Schüben und machte kurz vor dem Dorf halt. (Foto: Reto Thoeny)
  • Die Rutschung in der Wagenrunse verwüstete am 29. August 2023 in Schwanden GL (Gemeinde Glarus Süd) die Quartiere Herren und Plattenau. (Foto: GFO Glarus Süd)
  • Murgänge im Nant de Gleux führten am 14. November 2023 zu Verwüstungen in Champéry VS. (Foto: François-Xavier Marquis Sàrl)
  • Jährliche Schadenssummen der verschiedenen Prozesse für die Periode 1972 - 2023 (teuerungsbereinigt, Basis 2023). Arithmetisches Mittel (durchgezogen, 304 Mio. CHF) und Median (gestrichelt, 101 Mio. CHF) sind mit horizontalen Linien gekennzeichnet. (Grafik: WSL)
  • Ausmass und Art der Schadensereignisse im Jahr 2023 (Kartengrundlage: swisstopo, Grafik: WSL).
  • Anteile der verschiedenen Schadensprozesse an den Gesamtkosten für die Periode 1972 - 2022 (teuerungsbereinigt) und für 2023. (Grafik: WSL)


URL des Artikels mit Bildern
https://www.wsl.ch/de/news/unwetter-2023-lokal-grosse-schaeden-keine-todesopfer/

[1] https://www.wsl.ch/de/ueber-die-wsl/news/news/

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Quelle:
Presseinformation vom 07.03.2024
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Zürcherstrasse 111, CH-8903 Birmensdorf
Tel.: +41 44-739 21 11
E-Mail:
Allgemeine Anfragen: wslinfo(at)wsl.ch
Medien: media(at)wsl.ch
Internet: www.wsl.ch

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 8. März 2024

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