Schattenblick → INFOPOOL → UMWELT → KLIMA


BILDUNG/047: Was wäre, wenn wir nicht scheitern? - Ausstellung "Klima X" fragt: Warum tun wir nicht, was wir wissen? (DER RABE RALF)


DER RABE RALF
Nr. 237 - Dezember 2023 / Januar 2024
Die Berliner Umweltzeitung

Was wäre, wenn wir nicht scheitern?
Die Ausstellung "Klima X" fragt: Warum tun wir nicht, was wir wissen?

von Shirin Shanibaqi


Im imposanten Museum der Kommunikation in Berlin-Mitte findet derzeit die Ausstellung "Klima X" statt. Sie dreht sich um die Frage: "Warum tun wir nicht, was wir wissen?" Dabei geht es nicht nur um die Klimakatastrophe, sondern auch um den Beginn und den Grund für die Eskalation der Klimakrise - und natürlich um die Kommunikation. Die Ausstellung ist technisch und spielerisch aufgebaut, sodass die Besucherinnen und Besucher Spaß dabei haben, sich mit den ernsten Themen auseinanderzusetzen. Die Ausstellung sorgt dafür, dass sie sich ihrer Rolle in der Klimakrise bewusst werden, aber sich nicht allein fühlen.

Angst und Hilflosigkeit

Viele wissen, was gut für die Umwelt und für sie selbst ist, und tun dennoch oft das Gegenteil. Wenn man bedenkt, dass die sozialen Medien vielen Menschen Angst einjagen, ist es nicht verwunderlich, dass sie sich klein und schwach vorkommen und das Gefühl haben, allein nichts ausrichten zu können. Das nimmt den Menschen die Hoffnung auf Besserung. Die Ausstellung will dagegen vermitteln, dass es noch Hoffnung gibt. Über den Klimawandel heißt es dort: "Er ist real. Wir sind die Ursache. Er ist gefährlich. Die Fachleute sind sich einig. Wir können noch etwas tun."

Die Ausstellung hat mehrere Stationen, die die Besucher auf neue Herausforderungen stoßen lassen. Vor allem der Test, was für ein Menschentyp man ist, hinterlässt Spuren. Dabei werden den Besuchern Bilder gezeigt, die die Klimakrise und ihre Folgen betreffen. Dabei müssen sie angeben, was sie fühlen, wenn sie die Bilder sehen. Als Ergebnis erfährt man, was für eine Haltung man der Klimakrise gegenüber hat. Es zeigt sich, dass viele Menschen unter Schock stehen oder zurzeit hilflos oder ratlos sind. Es zeigt sich aber auch, dass viele von uns etwas tun wollen - allerdings nicht wissen, wo sie anfangen sollen.

Anruf in der Zukunft

Die Ausstellung macht auf wichtige Ereignisse und Themen aufmerksam, die auf den ersten Blick wenig mit der Klimakrise zu tun haben. So geht es um Frauenrechte oder um die Ereignisse im Ersten und Zweiten Weltkrieg - und darum, inwiefern sie den Klimawandel in eine andere Richtung gelenkt haben. Beim Gang durch die Ausstellung wird deutlich, wie sehr alles miteinander verbunden ist und wie viele Geschehnisse und Entscheidungen der letzten Jahrhunderte - wenn nicht sogar Jahrtausende - die Klimakrise beeinflusst haben.

Am Ende der Ausstellung gibt es die Möglichkeit, einen Anruf in eine Zukunft zu wagen, die es geben könnte, wenn wir nicht versagen. Die Personen, die in der Leitung sind, erzählen, wie ihr Leben aussieht und welche Regeln in ihrer Welt gelten. Je nachdem, wem man zuhört, erfährt man von unterschiedlichen Dingen, die den Alltag prägen. Einer erzählt, wie angenehm das Leben sein kann, auch wenn man nicht sehr oft verreist. Einigen von uns mag das Leben der Menschen am anderen Ende der Leitung langweilig vorkommen, allerdings würde "friedlich" ihre Welt besser beschreiben.

"Jugendliche fühlen sich ernst genommen"

Ein Gespräch mit Kurator Sebastian Mall gibt Aufschluss über Intention und Ziel der Ausstellung. Wichtig zu wissen ist, dass die Ausstellung für Menschen ab zwölf gedacht ist. Nicht geeignet ist sie für Menschen, die mit ihrer persönlichen Situation nicht klarkommen. Schließlich geht es um ernste Dinge, die uns erdrücken oder uns zumindest sehr nahe gehen können.

Auf die Frage, was die Ausstellung erreichen soll, antwortet der Kurator: Die Menschen sollen wieder Hoffnung Was wäre, wenn wir nicht scheitern? Die Ausstellung "Klima X" fragt: Warum tun wir nicht, was wir wissen? schöpfen und Zuversicht gewinnen, um richtig zu handeln. Er selbst habe bei der Auseinandersetzung mit den Themen eine Menge lernen können, betont der Ausstellungsexperte mit 20-jähriger Berufserfahrung. Besonders interessant findet er die Geschichte der Klimakommunikation und die im Hintergrund stehende Frage der Verantwortung des Journalismus.

Insgesamt werde man sich seiner Rolle bewusster und handle auch entsprechend, sagt Mall. Gerade Jüngere könnten aus der Ausstellung viel mitnehmen, findet er. "Junge Menschen fühlen sich hier ernst genommen", ist seine Erfahrung. Ausschlaggebend sei, dass sie auf andere zugehen und die Themen ansprechen. Zu kommunizieren und sich Gedanken zu machen sei schließlich der erste Schritt. Das Ausstellungsteam ist fest davon überzeugt, dass "Klima X" Menschen dazu anregt, etwas gegen den Klimawandel zu tun - oder zumindest Interesse zu zeigen.

Ausstellung "Klima X. Warum tun wir nicht, was wir wissen?",
bis 1.9.2024 im Museum für Kommunikation,
Leipziger Str. 16, Berlin-Mitte
(U2 Mohrenstraße, U6 Stadtmitte)
Di 9-20, Mi-Fr 9-17, Sa/So 10-18 Uhr
Eintritt 8/4 Euro (unter 18 Jahre frei)
www.mfk-berlin.de/klima-x
Tel. (030) 202940

Bildunterschriften der im Schattenblick nicht veröffentlichten Abbildungen der Originalpublikation:
- Spielerische Auseinandersetzung mit ernsten Themen
- Stimmen aus der Zukunft

*

Quelle:
DER RABE RALF
34. Jahrgang, Nr. 237, Seite 15
ISSN: 1438-8065
Herausgeber:
GRÜNE LIGA Berlin e.V. - Netzwerk ökologischer Bewegungen
Prenzlauer Allee 8, 10405 Berlin-Prenzlauer Berg
Redaktion DER RABE RALF:
Tel.: 030/44 33 91-47/-0, Fax: 030/44 33 91-33
E-mail: raberalf@grueneliga.de
Internet: www.raberalf.grueneliga-berlin.de
 
Erscheinen: zu Beginn gerader Monate
Abonnement: jährlich, 25 Euro

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 16. Januar 2024

Zur Tagesausgabe / Zum Seitenanfang