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MASSNAHMEN/104: "Klimawandel in Deutschland" - Auswirkungen und Handlungsmöglichkeiten (idw)


Helmholtz-Zentrum Hereon - 21.03.2024

Auf den Klimawandel reagieren


Der Klimawandel schreitet voran. Je nach Region unterschiedlich, sicher ist aber: Seine Auswirkungen werden auch in Deutschland in allen Bereichen des Lebens zu spüren sein oder sind es zum Teil schon. Das Climate Service Center Germany (GERICS), eine Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Hereon, hat das Open-Access-Buch "Klimawandel in Deutschland" neu aufgelegt. Hierin schreiben 165 Forschende in 39 Kapiteln über diese Auswirkungen und stellen Handlungsmöglichkeiten dar. Ein ganz neu aufgenommener Teil mit fünf Kapiteln widmet sich den Themen Emissionsminderung, u.a. im Verkehrssektor, passive CO2-Speicherung durch naturbasierte Lösungen und Methoden zum aktiven CO2-Entzug.

Prof. Daniela Jacob, Direktorin des Climate Service Center Germany (GERICS) und Mitherausgeberin: "Der Klimawandel betrifft alle Sektoren, die uns und unser natürliches und sozioökonomisches Umfeld betreffen. Als verantwortliche Generation müssen wir daher auf Basis aller erlangten wissenschaftlichen Erkenntnisse sowohl die Verantwortung für unser bisheriges nicht-nachhaltiges Handeln übernehmen als auch dieses Erkenntnisprivileg für ein zielführendes Handeln nutzen - auch um unseren Kindern und Kindeskindern einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen. Die Treibhausgasemissionen sind daher unbedingt stark und kontinuierlich zu senken. Zugleich müssen wir uns an die bereits eingetretenen sowie die mittelfristig zu erwartenden Klimaveränderungen anpassen."

Das Buch und E-Book zeigt verschiedene Handlungsoptionen auf, die diskutiert werden. Der Aufruf zum verstärkten Zusammendenken von Klimaschutz und -anpassung, der im jüngst erschienenen European Climate Risk Assessments (EUCRA) der Europäischen Umweltagentur (EEA) enthalten ist, findet auch in diesem Buch seine Entsprechung: Es liefert Hintergrundinformationen und Denkanstöße für verschiedene Sektoren und stellt somit eine wertvolle wissenschaftliche Grundlage für Anpassungs- und Klimaschutzaktivitäten in einzelnen Regionen und Branchen dar.

In seiner Vielschichtigkeit zeigt das Kompendium (Erstauflage 2016): Zunahme des Risikos für Sturmfluten, mehr Niederschläge und verstärkte Windaktivitäten im Winter, Starkregen und Hochwasser, Dürre, Hitzeperioden und Austrocknung der Böden im Sommer - so vielschichtig ist das Problem und wirkt sich global auf Wirtschaft und Gesellschaft aus. In gleichem Maße vielgestaltig und adäquat müssen daher auch die Antworten sein. Auch mögliche Handlungspfade für Deutschland werden in dem Buch berücksichtigt.

Allumfassende Auswirkungen

Zwischen 1881 und 2020 haben die jährlichen Winterniederschläge in Deutschland um durchschnittlich 27 Prozent zugenommen, im gleichen Zeitraum stiegen die bodennahen Lufttemperaturen über Deutschland gemittelt um rund 1,6 Grad Celsius. Diese Trends dürften sich fortsetzen ebenso wie die steigende Zahl von Starkregenereignissen. Im Sommer führen Starkregenereignisse häufig zur Erosion, wenn der Regen auf ausgetrocknete Böden fällt. Dadurch geht fruchtbarer Oberboden verloren und Nährstoffreserven nehmen ab. Die Situation setzt unseren Böden stark zu und reduziert ihre Fähigkeit, CO2 zu speichern, was den Klimawandel weiter antreibt.

Der Klimawandel beeinflusst u.a. die Landwirtschaft, die Energiegewinnung, den Tourismus, die Meere als Kohlenstoffspeicher und die Ökosysteme an den Küsten und nicht zuletzt auch die menschliche Gesundheit und hat somit auch weitreichende Folgen direkt für den Menschen. Man kann mit Recht sagen: Der Klimawandel macht uns krank, auch im buchstäblichen Sinne: Vor allem Kleinkinder, Schwangere, chronische kranke und alte Menschen sowie Allergiker sind gesundheitlich durch die zunehmende Erderwärmung gefährdet.

Handlungsoptionen

Die Begrenzung des Klimawandels und eine Anpassung an seine Auswirkungen sollten bei Entscheiderinnen und Entscheidern immer zusammen gedacht werden. Der Hauptfokus im Bereich Klimaschutz liegt auf unserem Einsatz von Energie, um die Treibhausgas-Emissionen zu senken und spätestens um die Jahrhundertmitte muss 'Netto-Null' erreicht werden. Es darf nicht mehr emittiert werden, als der Atmosphäre durch natürliche und technische Prozesse entzogen werden kann.

Dafür werden schnell technologische Neuerungen zum aktiven Entzug von CO2 benötigt: Treibhausgase müssen der Atmosphäre entzogen und dauerhaft gespeichert werden, so dass die Emissionsbilanz idealerweise in den Negativbereich rutscht. Auch die Transformation der Landnutzung, die Wiedervernässung von Mooren und die Aufforstung von Wäldern, sind sehr wirksam bei der Bindung von CO2.

Weiters ist eine klimagerechte Stadtplanung erforderlich. Insbesondere urbane Räume müssen v.a. mit Blick auf Hitzewellen und Starkregen 'klimafit' gemacht, also umgestaltet werden - und dies mit langfristiger Wirksamkeit. Eine enge Kooperation auf und zwischen allen Planungsebenen ist dabei unverzichtbar. Das gemeinsame Ziel: Die Verbesserung der Resilienz gegenüber Wetter- und Klimaextremen. Hierfür kann auch ein Perspektivwechsel hilfreich sein: Inwieweit trägt der eigene Lebensstil zur Erreichung der Pariser Klimaziele bei ("Paris Lifestyle")? Wie klimaschonend agieren wir wirklich? Auch hierfür liefert diese Veröffentlichung wertvolle Anstöße.

Das Buch wird von Guy P. Brasseur, Daniela Jacob und Susanne Schuck-Zöller herausgegeben, es ist als gedrucktes Exemplar sowie als E-Book (Open Access) erhältlich.

Originalpublikation:
ISBN 978-3-662-6669-8 (E-Book): Open Access
https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-66696-8

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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - Pressemitteilung
Helmholtz-Zentrum Hereon - 21.03.2024
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 22. März 2024

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