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INITIATIVE/430: Waldfrevel in Espelkamp - ökologisch wertvoller Mischwald soll Neubau weichen (ROBIN WOOD magazin)


ROBIN WOOD magazin - Nr. 160/1.2024

Waldfrevel in Espelkamp

von Susanne Bartens-Korn


ROBIN WOOD erreichen sehr viele Meldungen von Menschen, die sich gegen das Abholzen von Wald engagieren. Wir möchten im Magazin diese Initiativen öffentlich machen, um sie zu stärken und eine Vernetzung zu unterstützen. In dieser Ausgabe berichten wir über die geplante Waldvernichtung im Gabelhorster Wald in Espelkamp.

Der Kreis Minden-Lübbecke ist mit einem Waldflächenanteil von nur 11 Prozent eine der waldärmsten Regionen Deutschlands ist (Durchschnitt in Deutschland 30 Prozent) und hat durch falsche forstliche Bewirtschaftung (Fichtenmonokulturen) und Klimawandel gerade große Flächen von davon total verloren, Wiederaufforstungen sind stellenweise schon wieder vertrocknet. Dennoch hat der Kreis vor, zwei vorhandene kreisangehörige Kliniken in bester Lage (davon die eine vor wenigen Jahren komplett saniert wurde und die andere noch nicht einmal 40 Jahre alt ist) zu schließen bzw. abzubrechen. Für den Neubau wurde ausgerechnet einen 10 Hektar großer, ökologisch wertvoller, in Teilen über 200 Jahre alter, kraut- und strukturreicher Mischwald mit zahlreichen Biotoptypen und streng geschützten Pflanzen und Tieren im Süden Espelkamps mit teilweise ebenso alten Eichen und Buchen sowie über hundertjährigen Kiefern ausgesucht.

Obwohl Anfang des Jahrtausends durch engagierte Bürger und Politiker eine Bebauung des Grundstücks trotz bestehenden B-Planes im nördlichen Teil aufgrund des hohen klimatischen und ökologischen Wertes für die Innenstadt Espelkamps schon einmal verhindert werden konnte, stellt der Kreis die neuerliche Grundstücksfrage als unverhandelbar dar, obwohl die Laufzeit der Klinik mit nur 30 bis 50 Jahren projektiert ist. Bemühungen von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat eine Unterschutzstellung durchzusetzen, sind leider gescheitert.

Der geplante dreifache Ausgleich der Fläche ist jedoch der blanke Hohn. Dieser artenreiche, wunderbar altersgestufte alte Wald mit reicher Naturverjüngung kann nicht im "Heute" ersetzt werden.

Er braucht wieder mindestens 200 Jahre, um sich neu zu organisieren, die klimatischen und ökologischen Funktionen des gerodeten Waldes zu übernehmen und den hier lebenden Tieren, Pflanzen und Pilzen Heimat geben zu können. Weder die Tiere noch wir können aber so lange warten!

Dieser Wald zwischen den Straßen Gabelhorst, Koloniestraße und B239 ist nämlich genau deshalb so wertvoll, weil er aufgrund seiner gewachsenen Vielfalt (allein 30 Gehölzarten) und Humusschicht sehr klimaresilient ist (obwohl er ohne Grundwasseranschluss auf Dünensand steht) und als Element der Biotopverbindung unersetzbar ist.

Alte Bäume mit zahlreichen Höhlen, die Schwarz- und Buntspecht dort gezimmert haben bieten Fledermäusen, einer großen Starenkolonie, Siebenschläfern, Baumläufern, Kleibern und Haubenmeisen Schutz und natürliche Nistgelegenheiten. Eine weitgehend unzerstörte, waldtypische Krautschicht mit Heidelbeeren, Schattenblümchen, Sumpfstendelwurz, Vielblütigem Weißwurz, Farnen, zahlreichen Moosarten und einer schier unermesslichen Fülle an Symbiosepilzen für die Bäume oder eben auch Pilzen, die das reichlich vorhandene stehende und liegende Totholz und Laub zersetzen, sind Lebensgrundlage für zahlreiche weitere Vögel (wie auch den Kernbeißer), Kleinsäuger, Lurche (z. B. den hier seltenen Springfrosch), Insekten (auch die Rote Waldameise) und bodenbildenden Kleinst- und Mikroorganismen. Sie setzen den Wald in der Lage, große Mengen Wasser und Nährstoffe für das eigene Überleben bzw. das Überleben der Arten zu speichern.

Wir als "Aktionsgruppe Gabelhorster Wald" setzen uns mit Aufklärung und politischer Arbeit für den Erhalt dieses vielfältigen Kleinods ein, das scheinbar trotz Klimanotstand und Artensterben keine Lobby hat.

Bildunterschrift der im Schattenblick nicht veröffentlichten Abbildungen der Originalpublikation:
Ein 200 Jahre alter ökologisch wertvoller Mischwald in Espelkamp soll einem Neubau weichen: Die Aktiongruppe Gabelhorster Waldmacht sich dagegen stark



weitere Informationen:
gabelhorsterwald@web.de

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Quelle:
ROBIN WOOD-Magazin Nr. 160/1.2024, Seite 21
Zeitschrift für Umweltschutz und Ökologie
Verlag:
ROBIN WOOD-Magazin
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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 19. März 2024

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