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STELLUNGNAHME/682: Carbon Removal Certification Framework (CRCF) - Ablasshandel fürs grüne Gewissen (WWF)


WWF Pressestatement - 20. Februar 2024

Pressestatement zum Carbon Removal Certification Framework (CRCF) - 20.02.2024

Ablasshandel fürs grüne Gewissen


Berlin, 20.2.2024: Die Einigung zum Carbon Removal Certification Framework (CRCF) der Europäischen Union wird den Anforderungen für guten Klimaschutz und eine ernst gemeinte Transformation der Wirtschaft nicht gerecht. Das bemängelt der WWF angesichts des letzten Trilogs zwischen Rat, Parlament und Kommission der EU am Montagabend. Dazu sagt Viviane Raddatz, Klimachefin beim WWF Deutschland:

"Ein neuer Ablasshandel wird das Klima nicht schützen. Wer seine eigenen Emissionen über fragwürdige Speicherprojekte kompensiert oder sich eigentliche CO2-Reduktionen als CO2-Entnahmen anrechnen lässt, verschließt die Augen vor den wirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Notwendigkeiten. CO2-Minderungen sind von Entnahmen streng zu unterscheiden - leider lässt die EU in ihrer Einigung die Grenze verschwimmen. Das kann zu viel Greenwashing mit kleiner und kurzfristiger Klimawirkung führen. Denn die CO2-Speicherung in Produkten oder auch natürlichen Senken etwa über Humusaufbau oder Aufforstung unterliegt großen Unsicherheiten: Wenn uns die Klimakrise in Zukunft zum Beispiel mit noch zahlreicheren und extremeren Dürren und Bränden konfrontiert, wie lange bleibt der Kohlenstoff dann tatsächlich in Boden oder Baum? Und wer haftet am Ende, wenn das CO2 der mit Zertifikaten erkauften Entnahme letztlich doch zur Emission wird? Dem neuen Rahmenwerk fehlt es an klaren Prioritäten, Langfristigkeit, engen Definitionen und Verantwortlichkeiten. Wir lehnen das Rahmenwerk in seiner jetzigen Form ab und fordern Rat und Parlament auf, dringend nachzubessern."

Zum Hintergrund:

Die EU hat zum Ziel, bis 2030 mindestens 55 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 zu reduzieren und bis 2050 klimaneutral zu sein. Mit dem Carbon Removal Certification Framework sollte ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden, um durch Kohlenstoffbindung zusätzlich Emissionen zu kompensieren, die nicht vermieden werden können. Die Bindung von CO2 kann durch Speicherung in Produkten, Landsenken oder geologischen Lagerstätten geschehen - bei diesen Optionen bestehen allerdings unterschiedliche Herausforderungen, insbesondere, was die Langfristigkeit der Bindung angeht. Beim CRCF kommt es auch darauf an, CO2-Minderungen und CO2-Entnahme klar voneinander abzugrenzen, indem "Carbon Removals" streng definiert werden als eine zusätzliche Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre, nichts als unterlassene Emission.

Weitere Informationen finden Sie auch in diesem Verbändepapier zum CRCF:
https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Landwirtschaft/Verbaendeposition-EU-Zertifizierungsrahmen-Kohlenstoffentnahme.pdf

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Quelle:
WWF Pressestatement - 20. Februar 2024
Herausgeber: WWF Deutschland
Reinhardtstraße 14, 10117 Berlin
Tel.: 030 311 777 - 0, Fax: 030 311 777 - 603
E-Mail: info@wwf.de
Internet: www.wwf.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 20. Februar 2024

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